
Wie prägt Geschlecht die vietnamesische Gesellschaft – und wie spiegelt sich das in der Kunst? Gender in der zeitgenössischen Kunst Vietnams geht dieser Frage nach: Es zeigt, wie Familie, Hierarchie und eine bis heute dominante binäre Geschlechterordnung das soziale Gefüge Vietnams formen. Kunstwerke und künstlerische Positionen spiegeln diese Strukturen wider und eröffnen zugleich Einblicke in aktuelle Diskurse zu Gender, Identität und gesellschaftlichem Wandel. Julia Holz analysiert die Darstellungen von Gender in der vietnamesischen Kunst seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Dabei untersucht sie stereotype Frauenbilder, die lange das Kunstschaffen dominierten, und zeigt, wie Künstler*innen seit den 1990er Jahren zunehmend ihre eigene Identität reflektieren. Insbesondere die Werke zeitgenössischer Künstler*innen und die mit ihnen geführten Interviews geben Einblick in ihre Sichtweisen zu Gender, ihre Selbstverortung in der Geschlechterordnung sowie ihre künstlerischen Strategien. So entsteht ein vielschichtiges Bild davon, wie Kunst in Vietnam gesellschaftliche Fragen aufgreift – und welche Themen bislang ausgespart bleiben. Das Buch schließt eine entscheidende Lücke: Erstmals wird Gender in der vietnamesischen Gegenwartskunst umfassend untersucht. Julia Holz erweitert den Blick, indem sie neben queeren auch männliche Perspektiven einbezieht – ein Aspekt, der bislang weitgehend unbeachtet blieb. Damit eröffnet sie neue Zugänge zum Verständnis der vietnamesischen Gesellschaft und zeigt, wie Kunst als Spiegel gesellschaftlicher Realitäten wirken kann. Das Buch macht sichtbar, wo Selbstzensur und politische Restriktionen Grenzen setzen, und verdeutlicht zugleich das Potenzial der Kunst, Debatten über Gleichberechtigung und Geschlechterrollen anzustoßen.