
Randständige Figuren prägen die europäischen Literaturen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit in vielfältiger Weise. Zwischen sozialer Ausgrenzung und narrativer Bedeutung entfalten sie eine besondere interpretatorische Spannung: Gesellschaftlich marginalisierte Figuren können zu Trägern zentraler Erzählfunktionen werden, während standeshohe Protagonisten Phasen gesellschaftlicher Randständigkeit durchlaufen. Aus literaturwissenschaftlicher und komparatistischer Perspektive widmet sich der Band den Formen sozialer und narrativer Marginalität im germanischen und romanischen Kulturraum. Im Mittelpunkt stehen Dynamiken von Inklusion und Exklusion, die Marginalisierung von Frauen sowie narrative Strategien und Inszenierungen von Außenseiterfiguren. Auf diese Weise eröffnen sich neue Einsichten in die kulturellen und ästhetischen Funktionen von Randständigkeit in vormodernen Literaturen.