
Die Schicksale derjenigen Hochschulmitglieder der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), die vom NS-Berufsbeamtengesetz betroffen waren, sind bislang kaum erforscht. Der vorliegende Band über jüdische Physiker beleuchtet in einem ersten Teil die Biographie von Leo Graetz (1856-1941) und im zweiten Teil die als Juden verfolgten Mitglieder der physikalischen Abteilung ab 1933. Leo Graetz, der Sohn des berühmten Historikers Heinrich Graetz, lehrte über 50 Jahre an der LMU. Trotz Diskriminierung schuf er ein eigenständiges „zweites physikalisches Institut” und leitete dieses ohne volles Ordinariat und gegen den Widerstand seines Fachkollegen W. C. Röntgen. Thematisiert werden die Rolle des Antisemitismus bei seiner Nichtberufung, seine Verdrängung ab 1929 und das Verhältnis zu Vater und Religion. Die zweite Studie beschäftigt sich mit den Physikern an der LMU, die als Juden verdrängt wurden. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich bis in die Nachkriegszeit und geht der Frage nach dem Umgang der Münchner Universität mit ihrer Vergangenheit bis in die Gegenwart nach.  Themen in dieser Zeit der Verdrängung sind die Verfolgung von Tätern, Rückkehrangebote und Entschädigungen. Auch die höchst unterschiedlichen Erfahrungen der Betroffenen sowie die mangelnde Aufarbeitung durch die Universität werden untersucht.