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Das Leben ist ein vorübergehender Zustand

Autor
Arnim, Gabriele von

Das Leben ist ein vorübergehender Zustand

Beschreibung

Es gehört viel Mut dazu, dem eigenen Schmerz eine Stimme zu geben. Gabriele von Armin hat diesen Weg beschritten, während sie dem allmählichen Hinscheiden ihres kranken Mannes beiwohnte. Das Leben ist ein vorübergehender Zustand ist ein Buch, das vom Überlebenswillen einer Frau erzählt, für die Resignation zu keinem Zeitpunkt eine Option darstellte.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Rowohlt Verlag, 2021
Seiten
240
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-498-00245-9
Preis
22,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Gabriele von Arnim wurde 1946 in Hamburg geboren. Sie hat studiert, promoviert und zehn Jahre als freie Journalistin in New York gelebt. Danach schrieb sie u.a. für die ZEIT und die SÜDDEUTSCHE, BR und WDR und arbeitete als Moderatorin für ARTE, den SDR/SWR und den SF. Sie schreibt Rezensionen für Zeitungen und Hörfunk, moderiert Lesungen, hat mehrere Bücher veröffentlicht und lebt in Berlin.

Zum Buch:

Um sich für die Schufterei des Sterbens zu wappnen, bedürfe es in erster Linie eines hohen Maßes an Bereitschaft, dem Ich mit dem Willen zur Besänftigung zu begegnen versuche, erzählt die Literaturkritikerin Gabriele von Arnim. Und dass eine gehörige Portion Mut ebenfalls dazugehöre, jene Art von Mut, im Angesicht des schleichenden Verlust das Leben wenn nicht zu feiern, so doch zumindest als Geschenk anzunehmen. Einfach sei dies keinesfalls, wie sie betont, und das Bleiben wolle gelernt sein.

Als ihr Mann binnen kürzester Zeit zwei schwere Schlaganfälle erleidet, verändert dies auch ihr eigenes Leben, und zwar auf eine Weise, die sie an die Grenzen der Belastbarkeit zu bringen droht. Doch obgleich ihre Tage beständig begleitet sind von Angst und der Gewissheit des Unausweichlichen, schöpft sie dennoch Kraft aus der Schönheit des Moments, der Unwiderlegbarkeit, dass der Tod etwas Natürliches darstellt und zum Leben dazugehört – und aus der Literatur.

Da ihr Mann infolge seiner Erkrankung weder lesen noch schreiben und sich auch nicht mehr verständlich artikulieren kann – Tätigkeiten, Werkzeuge, die sein ganzes bisheriges Arbeitsleben ausmachten –, sorgt sie dafür, dass er dennoch den Zugang zu seinen geliebten Büchern nicht verliert, indem sie beispielsweise einen Vorleseklub organisiert. Ganze zehn Jahre schreitet sie auf einem Weg, der von ständigem Ringen begleitet ist, in Liebe und aufopferungsvoller Zuneigung, in Streit und vorübergehender Verzweiflung.

Zuweilen fühlt sie sich derart matt, erledigt und innerlich grau, dass sie dem nur dadurch entgegenzuwirken vermag, dass sie sich morgens dafür entscheidet, einen ganz besonders schönen roten Pullover anzuziehen. Denn eines will sie nicht vergessen: Den Willen zum eigenen Überleben. Und als schließlich der Tag des endgültigen Abschieds kommt, begegnet sie dem Schmerz, der sie ins Dunkel zu ziehen droht, mit der Entscheidung, ihre Zukunft nicht vom Wissen um die eigene Vergänglichkeit bestimmen zu lassen.

Geschrieben gegen das Vergessen und die innere Leere ist Das Leben ist ein vorübergehender Zustand eines jener Bücher, die man nur als Geschenk betrachten kann. Gabriele von Arnim hat einen Weg gefunden, dem Schrecken und dem bohrenden Schmerz die Spitze zu nehmen, indem sie sich entschließt, der eigenen Verzweiflung so wenig Raum wie möglich zu lassen, das Unsagbare in Worte zu fassen – und damit zugleich die Tiefen des Ertragbaren auszuloten. Es ist ein trauriges Buch, das von hunderten kleinen Abschieden erzählt. Aber zugleich auch von der Zärtlichkeit des füreinander Daseins und der vollkommenen Bejahung des Lebens.

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln