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Wo der Wolf lauert

Autor
Gundar-Goshen, Ayelet

Wo der Wolf lauert

Untertitel
Roman. Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama
Beschreibung

Ayelet Gundar-Goshen ist bekannt für ihre psychologisch raffiniert gebauten Romane, die mit einer regelrechten Lust am Ausspionieren unserer Seelen die Vielschichtigkeit, Widersprüchlichkeit und Amoralität menschlicher Beweggründe ausleuchtet.Auch in ihrem neuen Roman, der im Original den Titel Relocation trägt, wird das scheinbar Offensichtliche grundlegend erschüttert. Intelligent und spannend verwebt Gundar-Goshen die Diskurse der Gegenwart, fragt nach Herkunft und Identität, führt uns vor Augen, wie fremd uns die eigenen Kinder und die nächsten Angehörigen sein können und wofür es sich zu kämpfen lohnt.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Kein & Aber, 2021
Seiten
352
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-0369-5849-1
Preis
25,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Ayelet Gundar-Goshen, geboren 1982, studierte Psychologie in Tel Aviv, später Film und Drehbuch in Jerusalem. Für ihre Kurzgeschichten, Drehbücher und Kurzfilme wurde sie bereits vielfach ausgezeichnet. Ihrem ersten Roman Eine Nacht, Markowitz (2013) wurde der renommierte Sapir-Preis für das beste Debüt zugesprochen, 2015 folgte mit Löwen wecken ihr zweiter Roman, der zurzeit für NBC als TV-Serie verfilmt wird. Sie lebt in Tel Aviv.

Zum Buch:

Ayelet Gundar-Goshen ist bekannt für ihre psychologisch raffiniert gebauten Romane, die mit einer regelrechten Lust am Ausspionieren unserer Seelen die Vielschichtigkeit, Widersprüchlichkeit und Amoralität menschlicher Beweggründe ausleuchtet: Das war schon in Löwen wecken so, wo ein Arzt einen illegalen Einwanderer überfährt und Fahrerflucht begeht, das war auch in der Lügnerin der Fall, wo ein junges, von der Natur nicht gerade reich beschenktes Mädchen wegen einer behaupteten Belästigung endlich im Rampenlicht der Medien steht. Auch im neuen Roman, der im Original den Titel Relocation trägt, wird das scheinbar Offensichtliche grundlegend erschüttert.

Lilach und Michael Schuster sind vor Jahren aus Israel nach Amerika in eine der „ruhigsten, grünsten und sichersten Städte der Vereinigten Staaten“ gezogen: nach Palo Alto. Der gemeinsame Sohn Adam soll weitab vom Nahostkonflikt und all seinen Erschütterungen aufwachsen. Nichts soll ihn an seine israelische Herkunft erinnern – die Fußballpokale des Vaters sind wie die israelische Identität sicher im Schrank verstaut –, der für den Sohn gewählte Name Adam signalisiert lautstark: Ich bin von hier. Alles ist gepflegt und eingefriedet wie der Rasen und der Pool hinter dem Haus.

Gleich zu Beginn des Romans wird das Leben der Kleinfamilie aber von zwei beinahe zeitgleich stattfindenden Ereignissen aus dem Gleichgewicht gebracht: durch einen Anschlag auf die örtliche Synagoge und durch einen Mord an einem Mitschüler Adams. Waren die Schusters jahrelang zu allem und jedem auf Abstand gegangen, was sie an ihre relocation erinnerte, waren sie jahrelang penibel darauf bedacht, ihre Identität von ihrer Herkunft zu trennen, bricht jetzt das sorgsam errichtete Gebäude zusammen. Adam sucht erstmals Anschluss an eine Peergroup, eine Selbstverteidigungsgruppe – die aber just von einem ehemaligen Soldaten und vermeintlichen Spion des Mossad geleitet wird –, und gerät in den Fokus der polizeilichen Ermittlungen: Was hatte Adam mit dem Tod seines Mitschülers Jamal Jones zu tun? Warum lässt er von einem auf den anderen Tag sein kleines Chemielabor in der Garage verschwinden? Warum entdeckt Lilach im Kinderzimmer von Jamal Jones die Schuhe ihres Sohnes?

Mit bestem psychologischen Gespür erschüttert Gundar-Goshen all unsere Sicherheiten, verrückt unsere Wahrnehmung und die ihrer Protagonistin Lilach Schuster. Was passiert, wenn die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind nicht mehr ausreicht? Wenn aus den „winzigen Fingerchen“ eines Neugeborenen tatsächlich die Finger eines Mörders geworden sind? Was, wenn die neue Heimat nicht sicherer ist als das verlassene Land?

Intelligent und spannend verwebt Gundar-Goshen die Diskurse der Gegenwart, fragt nach Herkunft und Identität, führt uns vor Augen, wie fremd uns die eigenen Kinder und die nächsten Angehörigen sein können und wofür es sich zu kämpfen lohnt: „Mein Junge heißt Adam Schuster. Seine Augen sind blau wie das Meer von Tel Aviv. Es heißt, er habe ihn umgebracht. Aber das stimmt nicht.“

Ines Lauffer, autorenbuchhandlung marx & co, Frankfurt