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Cover: Wer fragt schon nach Kuhle Wampe?

Teresa Ruiz Rosas

Wer fragt schon nach Kuhle Wampe?

Von der Liebe und anderen Gemeinheiten. Roman

Auf dem Weg in ihre Heimat Peru, nach der Zwischenlandung in Madrid, zur der Dora Bakarel schon nicht mehr zugestiegen war, fragt sich die Filmliebhaberin Silvia Olazábal an der Seite ihrer schlafenden Tochter Milena, wie diese merkwürdige Geschichte eigentlich begonnen hatte, damals, in Berlin. Im Bauhaus-Archiv hatte man sich zum ersten Mal getroffen: Silvia, ihr Freund Ewald, der Rechtsanwalt und Dora Bakarel. Dora Bakarel ist die Tochter von Slatan Dudow, der mit Brecht zusammen gearbeitet hatte und 1963 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Erwald wollte näheres wissen über die Ansprüche der Tochter, die behauptete, dass ihr Vater als Drehbuchautor den größeren Anteil am Zustandekommen des Films „Kuhle Wampe“ habe und dass die Erben Brechts ihr diese Anerkennung und die daraus resultierenden Tantiemen vorenthielten. Damit beginnt ein Teil des Romans, nämlich die spannend beschriebene Suche nach der Wahrheit, bei der die Leserinnen und Leser auf eine Zeitreise aus der Sicht einer Fremden durch die jüngere deutsche Geschichte mitgenommen werden. Der andere Strang des Romans besteht aus den vielen Episoden, die Silvia in den letzten Jahren erlebt hat und die sie der Dora Bakarel beim Flug von Berlin nach Madrid erzählt, nachdem sie diese endlich überreden konnte, doch nach Peru mitzufahren, wo eine Retrospektive der Arbeiten ihres Vater zur nostalgischen Wiederbelebung des Filmclubs Blanco & Negro geplant sei. Es beginnt mit der Autofahrt nach Freiburg, auf der Silvia Ewald kennenlernte, den „europäischen Gentleman“ mit dem „Ausdruck von unendlicher blasierter Langeweile“ und den sie aber dann doch lieben lernte. Sie erzählt ihr von ihrer Studentenzeit in der Hauptstadt jenseits des Eisernen Vorhangs, ihrer Arbeit beim Rundfunk, der Begegnung mit Dürrenmatt, ihrer Mitarbeit ihm Filmclub Blanco & Negro in Arequipa, wo natürlich damals schon manche Arbeiten ihres Vaters gezeigt wurden. Und der Roman erzählt die Geschichte von der vorsichtigen, aber schließlich unterbrochenen Annäherung von zwei Frauen. „Warum habe ich Dora Bakarel das alles erzählt“, fragt sich Silva am Ende. „Ich dachte, es ist schön, wenn man fühlt, dass sich jemand einem anvertraut.“ Ein sehr ungewöhnlicher, ungemein amüsanter und lesenswerter Roman, den man durch seine lebendige Sprache förmlich zu hören glaubt. Der Roman ist die erste größere Arbeit, die von Teresa Ruiz Rosas in Deutsch geschrieben wurde. 

Klaus Küpper (Bücher zu Lateinamerika)

Verlag
Weilerswist: Verlag Ralf Liebe
Erscheinungsdatum
2008
ISBN/EAN
978-3-941037-02-1
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
317
Preis
20,00 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Geboren 1956 in Arequipa/Peru. Sie studierte nach dem Besuch des deutschen Gymnasiums in Lima Sprachwissenschaft, Germanistik, Romanistik und Übersetzung an den Universitäten in Arequipa, Budapest, Barcelona und Freiburg i. Br. Sie Autorin von Romanen, Erzählungen und Essays, übersetzte Prosa von u. a. W. G. Sebald, Wim Wenders, Nicholas Shakespeare, Botho Strauss ins Spanische. Bisher erschienen auf Deutsch der Roman „Der Kopist“, eine zweisprachige Anthologie „Das Porträt hat dich geblendet“ und eine dreisprachig edierte Erzählung „Detras de la Calle Toledo“. (siehe BzL 2002/03 und 2005/2006). Ihre literarischen Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet. Teresa Ruiz Rosas lebt seit 1999 als freie Autorin, Dozentin und Übersetzerin in Köln.