Zum Inhalt springen
Zu den aktuellen Empfehlungen
Cover: Vielen Dank für das Leben

Empfehlung von
Silke Bexhöft, Autorenbuchhandlung Marx & Co, Frankfurt am Main

Sibylle Berg

Vielen Dank für das Leben

Gekürzte Lesung. Sprecher Gustav Peter Wöhler

Sommer 1966 in der DDR. Ein Kind wird geboren. Es ist groß, es ist still, und es ist geschlechtslos. Die Mutter will es nicht, wollte nie ein Kind, weiß nicht, wann und von wem es gezeugt wurde, ist dem flächendeckenden Alkoholismus anheimgefallen. Sie nennt das Kind Toto, lässt es als Jungen eintragen und gibt es in ein Heim. Kurze Zeit später erstickt sie an einem Makrelenbrot.

Toto wächst im Waisenhaus heran. Ohne Liebe, ohne Geborgenheit, ohne Freunde. Die Erzieher sind hervorragend in das sozialistische System eingegliedert. Und sie mögen Toto nicht. Er ist anders. Daher muss er alleine schlafen, alleine duschen, alleine essen. Doch Toto hinterfragt nicht. Er ist zufrieden mit sich. Alles in ihm ist rein und gut und unschuldig.

Kasimir ist neu im Heim. Ein Außenseiter wie Toto selbst. Und Toto will Kasimir zum Freund, wünscht sich, ihm nah zu sein. Als sich Kasimir eines Abends zu Toto legt, ist dieser glücklich wie nie, doch am Morgen reißt ihn eine Erzieherin aus dem Bett und schickt ihn mit den anderen Kindern gemeinsam unter die Dusche. Toto hat nie zuvor nackte Menschen gesehen, er weiß nicht um seine Andersartigkeit. Bis zu diesem Moment, in dem er Kasimirs Stimme hört, die schreit: „Das ist ja eklig, seht euch an, wie das eklig ist“.

Kasimir wird von einer Familie aus dem Westen adoptiert, und Toto landet über viele Umwege schließlich in derselben Stadt. Er arbeitet in einer Kneipe und er singt. Seine Stimme ist außergewöhnlich und sie rührt die Menschen. Doch gleichzeitig schreckt sie sie ab. So wie alles an Toto. Er ist mittlerweile erwachsen, ein Fleischberg mit dichtem schwarzen Haar und dem Gesicht eines Kindes. Freundlichkeit ist ihm nie entgegengebracht worden, doch Toto läuft weiter „durch diese schlechteste aller Welten, als ob es alles noch gäbe: Güte, Unschuld, Liebe“.

Toto begegnet Robert, einem ehemaligen Opernsänger, der Toto bei sich aufnimmt und ihn zum Sänger ausbilden will. Robert ist Dialysepatient, und Toto bietet ihm freimütig an, eine Niere zu spenden. Im Krankenhaus wird Toto zur Frau umoperiert. Sie ist glücklich, sie fühlt sich als Frau und als sie Kasimir trifft und die beiden zusammen nach Paris gehen, scheint sich endlich alles zum Guten zu wenden. Doch weit gefehlt …
All die Grausamkeiten in Totos Leben erzählt Sibylle Berg mit so viel Liebe zu dieser Figur und mit einer unglaublichen Sprachgewalt. Toto vergisst man nicht mehr. Man verliebt sich in ihn, sie, es. Weint und leidet mit. Man verachtet die Menschen, denen Toto begegnet, die dieses wundervolle Wesen immerzu demütigen und verletzen und es doch nicht brechen können. Man verabscheut all die schreckliche Dinge, die passieren, und hinterfragt dabei sein eigenes Handeln. Man wünscht sich etwas mehr „Toto“ in der Welt.

Liebe Frau Berg, vielen Dank für das Buch. Es ist ein verdammtes Meisterwerk!

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
HörbucHHamburg
Erscheinungsdatum
2012
ISBN/EAN
978-3-89903-388-5
Format
Audio CD
Preis
19,99 €
Status
vom Verlag als vergriffen gemeldet

Zur Autorin / Zum Autor

Sibylle Berg, geboren vor nicht allzu langer Zeit in Weimar, gilt seit ihrem Debüt-Roman “Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot” als Übermutter der jungen deutschen Literatur. Darauf könnte sie verzichten. Neben Büchern schrieb die überzeugte Kettenraucherin Theaterstücke und Texte für verschiedene Magazine in Deutschland und der Schweiz, darunter “Das Magazin” (Zürich), “Allegra” (Hamburg) und das “Zeit-Magazin”. 2008 erhält sie den Wolfgang-Koeppen-Preis. Sibylle Berg lebt in Zürich.

Weitere Empfehlungen von Silke Bexhöft

8 Empfehlungen