Ingo Arndt
Tierreich
Schwärme, Herden, Kolonien
Ich habe die Arbeiten von Ingo Arndt durch den Bildband Nomaden des Windes. Der Zug der Monarchfalter kennengelernt. Und war wie erschlagen von der Kraft und Einzigartigkeit, die diese Bilder, die Kunstwerke ausstrahlten. Und manchmal, nein, eigentlich immer, dachte ich mir, das kann doch nicht sein, das kann doch echt nicht sein, wie hat der Mann das bloß so hinbekommen? Neben seinem geschulten Auge für das Besondere muss der Ausnahmefotograf eine enorme Geduld gehabt haben. Und sicherlich auch einfach verdammt viel Glück. So wie bei seinem neuesten Bildband Tierreich der zuweilen an die Arbeiten von Andreas Gursky erinnert.
Berge von Termitenflügeln, Hunderte Mausohrfledermäuse, die kopfüber von der Decke hängen, ein Schwarm Zuckmücken, ein Schwarm Sardinen, rote Krabben, wie Gewächse, wie ein Geschwür; eine Tüpfelhyäne, die in eine Kolonie aufgeschreckter Zwergflamingos prescht, Marienkäfer, gleich mehrere Dutzend, die sich einen Überwinterungsplatz teilen, eine dunkle Wolke aus Staren, geschätzte fünf Millionen Tiere, auf ihrem Weg nach Süden, Quallen, Massen von Quallen, die Sandbauten von Wattwürmern bis zum Horizont, Miesmuschelfelder, Eichenprozessionsspinner, Austern, Feuerwanzen, rote Waldameisen, Schmetterlingsraupen, Bienenvölker, eine Herde Gnus, die eine Böschung hinunterstürzt, eine bisher unbekannte, 2004 in den Niederlanden entdeckte Art Weberknechte.
Mein liebstes Bild in dieser Sammlung von Bildgewalten ist eben dieses Gewusel von Weberknechten, nicht weil ich ein besonderes Faible für Spinnen habe, sondern weil man erst nach dem dritten Hingucken erkennt, um welches Getier es sich auf dieser Doppelseite überhaupt handelt.
Gehen Sie in die Bücherei Ihres Vertrauens und schauen Sie sich das einmal in Ruhe an. Das verwirrende Naturschauspiel der Masse, auf über 40 Reisen über den gesamten Kontinent verstreut, eingefangen in eine einzige, vollkommene Momentaufnahme.
Dabei überraschen die ungewöhnlichen Perspektiven ebenso wie die kleinen, spannenden Geschichten, in denen Ingo Arndt Einsicht in seine Arbeit gibt und wie nebenbei sehr aufschlussreich gewisse Besonderheiten der von ihm fotografierten Tiere anfügt.
Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln
Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.
- Verlag
- Knesebeck Verlag
- Erscheinungsdatum
- 2010
- ISBN/EAN
- 978-3-86873-180-4
- Format
- Einband - fest (Hardcover)
- Seiten
- 176
- Preis
- 39,95 €
- Status
- nicht lieferbar
Zur Autorin / Zum Autor
Ingo Arndt, Jahrgang 1968, ist einer der renommiertesten und erfolgreichsten deutschen Naturfotografen. Seine Reportagereisen führten ihn in alle Welt, er veröffentlicht regelmäßig in GEO und anderen Magazin und hat zahlreiche Bildbände herausgebracht.