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Cover: Stellt mir eine Frage

Steven Bloom

Stellt mir eine Frage

Roman. Aus dem Englischen von Silvia Morawetz

Brooklyn Anfang der Fünfziger Jahre. In der Cafeteria Bald Sams reden Jack Goldfarb, Max Warsaw, Meyer Woolf, Archie Feinstein, Izzy und noch ein paar andere fast jeden Tag über Gott und die Welt, über Baseball, den Koreakrieg, das Fernsehen und über Rassismus. Jeder sieht die großen und kleinen Probleme des Lebens mit eigenen Augen, und ihre Unterhaltung besitzt eine Unmittelbarkeit, dass man sich in einem Hörspiel oder einem Film glaubt. Bloom gelingt es großartig, seine Charaktere allein durch die Szenen im Cafe zu entwickeln und durch den teilweise irrwitzigen Schlagabtausch der Männer das Tempo und die Spannung zu halten, obwohl ein nacherzählbarer Handlungsstrang fehlt.

Gemeinsam ist den stark typisierten und gegensätzlichen Protagonisten ihr Jüdischsein und die Erfahrung der Flucht nach Amerika vor der Verfolgung in Europa, die sie trotz aller persönlichen Unterschiede zusammenschweißt. Archie Feinstein ist unglücklich verheiratet, kann sich aber wegen der Gesetzeslage nicht so einfach von seiner Frau trennen. Meyer Woolf vertritt lautstark provozierende politische Positionen und verweist, von Archie Feinstein zur Mäßigung aufgefordert, auf die Freiheit, in der man ja jetzt lebt. Er ist seit langem glücklich verheiratet,  muss aber dann seine Frau begraben und stirbt am Ende ebenfalls.

Im Mittelpunkt aber steht der noch relativ junge Ex-Boxer Izzy, der von Invalidenrente lebt. Bei ihm werden die Verletzungen, unter denen alle leiden, besonders deutlich. Als Kind hat er mit angesehen, wie sein Vater bei einem Pogrom getötet wurde. Seit dem Krieg leidet er an einer Kopfverletzung. Izzy kennt alle Witze, kann aber selbst keinen erzählen. Er spielt auf seiner Konzertina und ist immer auf der Suche nach Frauen. Manchmal hat er Sex mit der „Frau, die das Kreuz um den Hals trug“ oder der „Frau, die so viele Witze kannte“, aber im Grunde sehnt er sich nach etwas anderem. Ständig kreisen seine Gedanken um seinen Vater. „Sein Vater hätte ihm erklärt…“ ist ein immer wiederkehrendes, rührendes Motiv, das auf die zahllosen tiefer liegenden Schichten des Romans verweist.

Strukturiert wird die Handlung durch Witze. Richtige Witze. Die Männer sitzen zusammen und debattieren, einer fällt dem anderen ins Wort, sie überbieten sich mit ihren Pointen. Es ist ein Humor, der fast immer wirklich komisch ist,  dabei so schmerzlich, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt.

Noch ein Wort zur Übersetzung. Es ist ein besonderer Glücksfall, wenn man bei einem amerikanischen Buch, das wie dieses von Dialogen, Ironie und kleinsten Bemerkungen lebt, vergessen kann, dass es sich nicht um die Originalsprache handelt.

Claudia Biester, Frankfurt am Main

Verlag
Wallstein-Verlag
Erscheinungsdatum
2009
ISBN/EAN
978-3-8353-0474-1
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
160
Preis
20,00 €
Status
lieferbar