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Cover: Senyoria

Jaume Cabré

Senyoria

Roman. Aus dem Katalanischen von Kirsten Brandt

Ob als Hardcover, als Taschenbuch oder in der Ausgabe der Büchergilde, in meinem Buchhändlerleben habe ich vielleicht kein Buch so oft empfohlen wie den 2007 erschienen Roman „Die Stimmen des Flusses“ von Jaume Cabré. Für mich eine absolute Entdeckung damals. Danach hieß es jedoch erst einmal warten, und zwei Jahre können eine ganz schön lange Zeit sein.

Jetzt ist „Senyoria“ ausgeliefert worden, der neue Roman des Katalanen, der so neu gar nicht ist, erschien er doch bereits 1991 im Original in Barcelona. Aber was tut das schon zur Sache.

Man sollte bloß nicht den Fehler begehen, ihn mit dem Vorgänger zu vergleichen: Wo einem bei der Lektüre von „Die Stimmen des Flusses“ zuweilen der Atem stockte, verfällt man bei „Senyoria“ mitunter in regelrechte Lachanfälle; hier zeigt sich der Weltklasse-Autor einmal von seiner humorvoll-satirischen Seite, und auch dieses Genre beherrscht er mit verblüffender Leichtigkeit und Raffinesse; die Dialoge, die Situationskomik, das ist Slapstick vom Feinsten auf höchstem Niveau. 

Wir befinden uns im ausklingenden 18. Jahrhundert im von Korruption und Dünkel gebeutelten Barcelona. Es ist eine Zeit der Intrigen, der Sittenlosigkeit und Machtspiele, eine Zeit, in der ein Titel alles bedeutet und man nur dann etwas darstellt, wenn sich andere das Maul zerreißen.

Einsam im Garten zu stehen und den abendlichen Sternenhimmel durch sein Fernrohr zu betrachten, lässt das sonst so kalte Herz des machtbesessenen königlichen Gerichtspräsidenten Don Rafael Massó i Pujades, der ausdrücklich darauf besteht, von Untergebenen mit dem Titel Senyoria, Euer Gnaden, angesprochen zu werden, ebenso höher schlagen wie das Glotzen in die Schlafgemächer seiner so schönen wie unnahbaren Nachbarin; tagsüber, während der Siesta. Don Rafael glaubt sich auf dem Höhepunkt seiner Macht, als plötzlich ein Problem auftaucht, besser gesagt: zwei Probleme. Zuerst wird eine bekannte französische Sängerin ermordet in ihrem Hotelzimmer aufgefunden, dann stellt sich auch noch heraus, dass ausgerechnet der einzige Tatverdächtige, der mittellose Dichter Perramon, bei seiner Festnahme gewisse Papiere bei sich führte, deren Inhalt, einmal in die falschen Hände geraten, mit einem Schlag die Karriere des Senyoria auf unschöne Art beenden würde, nämlich durch den Galgen. Don Rafael setzt also alle ihm möglichen Hebel in Bewegung und sträubt sich auch nicht, bis zum Letzten zu gehen. Ein Spiel um Zeit beginnt.  

Der 1947 geborene Jaume Cabré hat zahlreiche Romane und Erzählungen veröffentlicht, das Lektorat beim Suhrkamp Verlag hätte also regelrecht aus dem Vollen schöpfen können. Dass man sich letztendlich für diesen Roman entschieden hat, finde ich sehr gut, weil er eben so anders ist, und ich bin nur zu gespannt darauf, was als Nächstes kommen wird. Wieder heißt es warten.      

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Suhrkamp Verlag
Erscheinungsdatum
2009
ISBN/EAN
978-3-518-42102-4
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
443
Preis
24,80 €
Status
nicht lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Jaume Cabré ist Philologe und Schriftsteller. Er wurde 1947 in Barcelona geboren und hat neben zahlreichen Romanen auch Theaterstücke, Dreh-bücher, Essays sowie Kinderbücher veröffentlicht. 2007 erschien sein erster ins Deutsche übersetzte Roman. „Die Stimmen des Flusses“ wurde zu einem Welterfolg und in mehrere Sprachen übersetzt.