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Cover: Nachgelassene Schriften / Ökologie und Gesellschaftskritik

Herbert Marcuse

Nachgelassene Schriften / Ökologie und Gesellschaftskritik

Der sechste Band der von Peter-Erwin Jansen herausgegebenen Schriften von Herbert Marcuse (1898-1979) aus dem Nachlass enthält elf Texte aus zwei ganz verschiedenen Epochen. In den 1932 bis 1934 entstandenen Schriften geht es hauptsächlich um die Auseinandersetzung mit und um die Abwendung von Heideggers Philosophie sowie um die Kritik am logischen Positivismus, in Marcuses Terminologie: an der „wissenschaftlichen Philosophie“. In den Schriften aus der Zeit zwischen 1965 und 1975 beschäftigte sich Marcuse mit Fragen der Gesellschaftstheorie. Zu beiden Themenblöcken hat Iring Fetscher eine ebenso instruktive wie informative Einleitung beigesteuert. Die Edition der Texte wird von Jansen wie immer knapp und kompetent kommentiert.

Von den nach dem Krieg entstandenen Texten Marcuses besticht derjenige über „Sozialistischen Humanismus“. Der Kalte Krieg brachte die beiden Blöcke in ein Freund-Feind-Verhältnis, das noch verhärtet wurde durch manichäische Weltbilder und Ideologien: der Nachteil eines jeden Lagers gereichte dem anderen automatisch zum Vorteil und umgekehrt. Maurice Merleau-Ponty analysierte diese Situation erstmals in seiner brillanten Studie „Humanismus und Terror“ (1947). Daran knüpfte Marcuse an. Eine Lösung des Antagonismus war nach Marcuse keine theoretische Frage, sondern eine praktische, insofern es darauf ankam, den „geknechteten Menschen“ hüben und drüben zu ihrer Befreiung zu verhelfen bzw. dazu, ihr Schicksal buchstäblich in die eigenen Hände zu nehmen. Und damit kamen für Marcuse die Intellektuellen ins Spiel, denen er zutraute, „selbst und gegen die Indoktrination zu denken, gegen die kommunistische wie auch die antikommunistische.“ Marcuse sah die Intellektuellen aber nicht in der Rolle einer herrschenden Avantgarde, sondern in der des sich selbst bescheidenden Aufklärers über „vitale Bedürfnisse“, jenseits privatistisch-konsumistischer und kapitalistischer Logiken.

Marcuse gab sich keinen Illusionen hin. Die Sowjetunion wurde durch die Entstalinisierung nicht „humanistischer“ und die westliche Welt auch nicht, als sie auf Entspannungspolitik umstellte nach der Ära der Roll-back-Parolen, die nie praktische Politik wurden, aber bis in die späten 60er Jahre und darüber hinaus die Köpfe vernebelten. Auch die Marx’sche Prognose, wonach es eine Klasse von Menschen gebe, die jeder Freiheit entbehrten und die angeblich gerade dadurch den Keim von Humanität bewahrten, erwies sich als empirisch unhaltbar und philosophisch rein spekulativ. Der technische Fortschritt und der steigende Wohlstand enthalten nicht eo ipso humanisierende Tendenzen. „Die objektive Identität von Sozialismus und Humanismus ist aufgelöst. Sie war nie eine unmittelbare Identität.“ In der aktuellen Situation wurde „die Macht des technischen Fortschritts umgeschmolzen zu einem Instrument totalitärer Herrschaft.“  

Rudolf Walther, Frankfurt am Main  

Verlag
zu Klampen Verlag
Erscheinungsdatum
2009
ISBN/EAN
978-3-924245-87-0
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
176
Preis
28,00 €
Status
lieferbar