Heiner Boehncke; Hans Sarkowicz; Joachim Seng
Monsieur Göthé
Goethes unbekannter Großvater
Ahnenforschung beim Großen der deutschen Literatur
Es scheint kaum möglich: Der unumgängliche Koloss der deutschen Dichtung, dessen Leben, Schreiben und Wirken den Germanisten und Biografen seit beinahe 200 Jahren offen liegt, verfügt noch über schwarze Stellen in seiner Genealogie.
Am 6. September 1657 wurde im thüringischen Dorf Kannawurf Friedrich Georg Göthe getauft. Der Sohn eines Hufschmieds blieb nicht in Thüringen und wurde, anders als vier seiner Brüder, auch nicht Schmied. Friedrich Georg lernte das Schneiderhandwerk und suchte sein Glück als wandernder Geselle. Er war neugierig und tüchtig. Die neueste Mode und die besten Stoffe fand er in der Seidenstadt Lyon. Damit die Franzosen sein „e“ nicht verschluckten, setzte er einen Akzent darauf und nannte sich fortan Göthé. Er kam von Lyon über Paris nach Frankfurt am Main, wo er die Tochter eines Schneidermeisters heiratete und wurde zu einem der wohlhabendsten Bürger Frankfurts. Das vererbte Vermögen reichte auch für den Enkel Johann Wolfgang, der davon ein gutes Leben als Student führen konnte, von ihm, dem Seidenschneider und Aufsteiger Göthé, aber nicht abstammen wollte. Allen Enkelstolz übertrug er auf die Textor-, die mütterliche Linie. Die maßgeblichen Biographen machten die Verdunkelung der väterlichen Seite mit. In nachgetragener Gerechtigkeit beleuchtet das Autorentrio Boehncke, Sarkowicz und Seng einen großen Unbekannten seines Stammbaums und fördern schöne Geschichten aus dem Leben des umtriebigen Schneidermeisters Göthé ans Licht, dessen Gerissenheit seinem Urenkel den Weg zum Klassiker ebnete.
(Klappentext)
- Verlag
- Die Andere Bibliothek
- Erscheinungsdatum
- 2017
- ISBN/EAN
- 978-3-8477-0391-4
- Format
- Einband - fest (Hardcover)
- Seiten
- 480
- Preis
- 42,00 €
- Status
- lieferbar
Zur Autorin / Zum Autor
Heiner Boehncke, geboren 1944, ist Professor für Vergleichende und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Frankfurter Goethe-Universität und ist ebenso wie Hans Sarkowicz durch seine Studien dem Werk von Grimmelshausen verbunden. Außerdem ist er Mitautor einer vielbeachteten Geschichte der Familie von Georg Büchner. Von ihm und Hans Sarkowicz erschienen in der Anderen Bibliothek: Grimmelshausen (Band 323) sowie die Foliobände über den Malerbruder Ludwig Emil Grimm und die Briefe eines reisenden Franzosen von Johann Kaspar Riesbeck.
Hans Sarkowicz, geboren 1955, leitet das Ressort hr2-Kultur und Bildung beim Hessischen Rundfunk. Er ist Autor von Biographien und Mitherausgeber der Werke von Erich Kästner und hat zahlreiche Bücher zu kulturgeschichtlichen, historischen und politischen Themen verfasst.
Joachim Seng, geboren 1966, leitet die Bibliothek des Freien Deutschen Hochstift / Frankfurter Goethe- Museums. Er ist Autor und Herausgeber von Publikationen zu Goethe, Hofmannsthal und Paul Celan.