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Cover: Malindi

Troy Blacklaws

Malindi

Roman. Aus dem Englischen von Michael Kleeberg

Die Zwillinge Marsden und Douglas leben mit ihren intellektuellen, liberal gesinnten Eltern in Muizenberg nahe Kapstadt. An Stelle der staatlichen Schule für Weiße besuchen sie eine Privatschule, da es dort, „zwischen all den weißen Jungs auch eine Handvoll Inder, Schwarzer und Farbiger“ gibt. Das lag dem Vater der beiden besonders am Herzen, denn er wollte, dass seine Söhne „farbenblind aufwachsen“, erinnert sich Douglas, der Ich-Erzähler der Geschichte.  In ihrer Freizeit spielen die Heranwachsenden Kricket, surfen im Ozean, gehen ins Kino oder ziehen einfach mit ihren Freunden rum. Sie führen ein behütetes, privilegiertes Teenagerleben der weißen Mittelschicht im Apartheid-Südafrika der 1970er. Weihnachten 1976 ändert sich jedoch schlagartig alles. Marsden wird beim Kricketspiel von einem Ball, den sein Vater geworfen hat, so unglücklich am Kopf getroffen, dass er auf der Stelle tot ist. Diesen tragischen Unfall überlebt auch die Familie nicht. Jeder bleibt in seinem Schmerz auf sich gestellt, keiner ist in der Lage, mit den anderen darüber zu sprechen oder gar Trost zu finden; der bei einem solchen Verlust auch möglicherweise ohnehin unmöglich zu finden ist. Douglas lebt in dem Gefühl weiter, nur noch die Häfte des Zwillingspaares zu sein, das alle vor Augen haben. Der Vater wird mit seinen Schuldgefühlen nicht fertig. Er zieht sich mehr und mehr in sich zurück und verlässt schließlich Frau und Sohn. Auch die Mutter hält es schon bald nicht mehr aus an dem Ort, wo sie zu viert als glückliche Familie gelebt hatten. Sie verkauft das Haus. Douglas muss mit ihr aus Muizenberg weggehen. Sein neues Zuhause wird ein Kaff im Hinterland, in einer „Landschaft aus Steinen, Staub und Dornen“, einsam und trostlos. Drastischer hätte die Veränderung zu seinem früheren Leben kaum ausfallen können. Das größte Problem für Douglas bleibt jedoch „das klaffende Loch, das Marsdens Verschwinden gerissen hat“.   In seiner neuen Schule ist er der Exot, gilt als Schwuchtel aus Kapstadt, schon wenn er Beach-Bermudas statt der üblichen Badehose und seine Haare länger als die anderen trägt. Gepiesackt und von allen geschnitten, gehören außerdem die Prügelstrafe und eine Erziehung zur Härte fortan zu seinem Schulalltag. Auch außerhalb der Schule ist er durch den Umzug in eine Welt geworfen, die durchdrungen ist von Gewalt, Roheit und Rassismus. Seine einzigen Freunde in dieser Ödnis werden Moses, der alte schwarze Tankwart am Ort, der von einer Reise ans Kap träumt; und Marika, ein Mädchen in Douglas’ Alter, das seine erste Liebe wird. Sie beide helfen Douglas, die Hölle zu überleben.   „Malindi“ ist ein vielschichtiges Buch, das durch seinen ruhigen Erzählfluss, durch eine so schöne wie präzise Sprache und seine treffenden Bilder überzeugt. Es sind die kleinen Geschichten und genau beobachteten Details, die eine weitere Stärke des Romans ausmachen. Da ist zum Beispiel das Schicksal von Moses: wie er in Klipdorp gelandet und warum er dort geblieben ist. Oder die Radtour, die Douglas und Marika in ein Township am Rande des Ortes führt. Szenen aus dem Biologieunterricht in Douglas’ Schule, wo er zum Töten und Sezieren eines Kaninchens genötigt wird. – Mit wenigen Sätzen über solche Begebenheiten legt Blacklaws die Strukturen und die Funktionsweisen der Apartheid-Gesellschaft bloß. Er demonstriert ihre Art zu denken, die Ängste und Phantasien der burischen Wagenburg-Mentalität. Das Buch erzählt brutale und schockierende Szenen, aber auch sehr friedliche und berührende. Es ist ein so großartiges Buch, wie ich es schon lange nicht mehr gelesen habe.  

Ralph Wagner, Ypsilon Buchladen & Café, Frankfurt am Main

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Liebeskind Verlag
Erscheinungsdatum
2008
ISBN/EAN
978-3-935890-50-2
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
288
Preis
19,80 €
Status
vom Verlag als vergriffen gemeldet

Zur Autorin / Zum Autor

Troy Blacklaws, 1965 in Pinetown geboren, wächst in der Nähe von Kapstadt auf. Studium der Literaturwissenschaft. Nach zwei bitteren Jahren Militärdienst erste Anstellung als Englischleherer. Später Lehraufenthalte in Europa, u.a. in Frankfurt/Main und Wien. Er lebt heute in Singapur. Sein Debütroman „Malindi“ wurde in mehrere Saprachen übersetzt.

Der Übersetzer: Michael Kleeberg lebt als freier Schriftsteller und Übersetzer in Berlin. Zuletzt erschienen sein Reisetagebuch „Das Tier, das weint“ (2004) sowie der Roman „Karlmann“ (2007).