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Cover: M wie Mafia

Andrea Camilleri

M wie Mafia

Aus dem Italienischen von Moshe Khan

Bisher habe ich noch nie einen Krimi oder einen Roman von Andrea Camilleri gelesen, doch weiß ich von Kollegen und Kunden, er soll wirklich sehr gut sein. Weshalb ich jetzt mit seinem Buch „M wie Mafia“ beginne, wird wohl daran liegen, dass ich bereits in meiner frühesten Kindheit ein besonderes Faible für alle Arten von Gangstern entwickelt habe, vor allem für die Mafiosi. Heute hat sich das natürlich relativiert, auch bin ich nicht, wie man hätte annehmen können, zum Krimileser geworden, vielmehr interessieren mich die „wahren Geschichten“, Bücher wie z.B. „Geschichte des organisierten Verbrechens“ von David Southwell oder „Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra“ von Roberto Saviano. Beide kann ich nur empfehlen.

Aber zurück zu diesem Buch. Am 11. April 2006 wurde Bernardo Provenzano, der „Capo dei tutti Capi, der Boss der Bosse“ in einer Waldhütte bei Montagna dei Cavalli, keine zwei Kilometer von seinem Heimatort Corleone entfernt, von der italienischen Polizei verhaftet. Fünfzig Morde wurden ihm angelastet, man hatte ihn, in Abwesenheit, zu 250 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Besondere dabei ist: Niemand kannte sein Gesicht. Es gab nur ein einziges Fahndungsfoto aus seiner Jugendzeit, sowie eine Reihe recht fantasievoller Phantombilder.

Vierzig Jahre lang leitete Provenzano als uneingeschränktes Oberhaupt der Cosa Nostra seine Geschäfte aus dem Untergrund heraus, man vermutet, er wurde auch deshalb nie gefasst, weil seine Beziehungen bis hinauf in die Chefetagen ranghoher Politiker reichten, was aber nie bewiesen werden konnte. 

Ein ganz gewöhnlicher Müllsack brachte die Ermittler schließlich auf die richtige Spur. Bei der Festnahme des Mafiabosses stellten die Beamten neben einer CD mit der Filmmusik von „Der Pate“ auch eine Schreibmaschine sicher sowie 200 kleine Zettel, sogenannte „pizzini“,

durch die der halbe Analphabet Provenzano mit der Außenwelt Kontakt hielt und seine Geschäfte leitete. Camilleri verschafft sich Kopien dieser Kassiber und studiert sie ein ganzes Jahr lang. Entstanden ist dabei nicht allein eine Art Lexikon der Mafia, gleichzeitig wird auch die Lebensgeschichte des „Capo dei tutti Capi“ erzählt und das auf teilweise äußerst amüsante Weise, ohne es dabei jedoch an Ernsthaftigkeit fehlen zu lassen.

Durch die Wahl einer lexikalischen Aufarbeitung seiner Recherchen wird das flüssige Lesen zwar nicht unbedingt eingeschränkt. Dennoch hätte man (ich) sich eher einen Gesamttext gewünscht. Aber gut, es lag ja auch nicht in der Absicht des Herausgebers, eine regelrechte Biografie der Mafia zu verfassen. Also arbeitet sich der geneigte Leser durch die einzelnen Stichwörter; von A wie Ave Maria und G wie Gerechtigkeit über L wie Lachen, M wie Mafia bis zu P wie Prostata und Z wie Zichoriengemüse. Eine ausgesprochen kurzweilige Lektüre. 

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln  

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Kindler Verlag
Erscheinungsdatum
2009
ISBN/EAN
978-3-463-40557-5
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
224
Preis
16,90 €
Status
nicht lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Andrea Camilleri wurde 1925 in Porto Empedocle, Sizilien, geboren. Er ist Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur und lehrte über zwanzig Jahre lang an der Accademia d’Arte Drammatica Silvio D’Amico.