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Cover: Kornwolf

Tristan Egolf

Kornwolf

Roman. Aus dem amerikanischen Englisch von Frank Heibert

Ist das jetzt schon neun Jahre her? Wahnsinn. Ich erinnere mich noch sehr gut, dass ich damals, als ich „Monument für John Kaltenbrunner“ gelesen hatte, dachte – Wow. Das ist es! Tristan Egolfs Debütroman galt zu der Zeit noch als absoluter Insidertipp, und wenn Sie mich heute spontan nach meinem Lieblingsbuch fragen würden, dann würde ich, ohne lange nachdenken zu müssen, „Monument für John Kaltenbrunner“ sagen. (Sollten Sie dieses Buch nicht kennen, dann aber los.)

Egolfs zweiten Roman „Ich & Louise“ fand ich dagegen weniger gut, ohne jedoch enttäuscht gewesen zu sein, denn mir (wie vielen anderen auch) war klar, der Kerl hat noch mehr auf dem Kasten, da kommt ganz sicher noch etwas richtig Großes.

Jetzt, nach über drei Jahren, ist endlich die deutsche Übersetzung seines dritten Romans erschienen, von dem man eigentlich nie genau wusste, ob er ihn tatsächlich noch abschließen konnte, bevor er sich 2005 das Leben nahm.

Stilistisch gesehen schließt„Kornwolf“ an „Monument für John Kaltenbrunner“ an, das ist Tristan Egolf mit Leib und Seele; seine Sprachgewalt, der trockene Humor, die schrägen Ideen. „Kornwolf“ ist mein Insidertipp für diesen Leseherbst und darüber hinaus. 

Owen Brynmor hat ziemlich miese Laune. Er versucht, sich das Rauchen abzugewöhnen, hat ein paar Meilen zuvor die Nikotinpflaster aus dem Fenster geworfen und steckt jetzt mitten im Stau. Eigentlich kann er kaum glauben, dass er sich freiwillig wieder in diese Gegend, seine alte Heimat, begeben hat. Außer zwei Kirchen pro Meile, einer Hamburgerfabrik, einem Deutschland-Erlebnispark sowie mehreren Amisch-Siedlungen gibt es hier rein gar nichts zu sehen oder zu tun, es sei denn, man wäre Polizeireporter bei einem Käseblatt und es sei denn, man hätte heute Morgen einen Anruf von einem Wildhüter bekommen, der behauptete, er habe da ein paar Fotos, aufgenommen von einer Bewegungsmelderkamera im Stepfordwald, „was Merkwürdiges“, das die Zeitung „garantiert würde sehen wollen, das glaubt sowieso keiner.“

Gelangweilt schaut Owen sich die Fotos an. Das erste zeigt ein fallendes Blatt. Dann folgt ein Gewirr aus Hufen und Hinterteilen, dann ein Rehbock im Profil, dann hintereinander mehrere Fotos von buddelnden Murmeltieren.

Dann kommt er zu Foto Nr. 10. Grundgütiger.

„Noch Jahre später sollte er dem allerersten Bild nachsinnieren, das ihm damals durch den Kopf gegangen war: ein dampfender Haufen Lungenhaschee, den ihm irgendeine Kellnerin in Philz Town serviert hatte, damals, als er noch an der Flasche hing – eine unverschämt gedankenlose Bestellung, etwas, das sich nicht dafür eignete, gezeigt zu werden, und woran man sich lieber nicht erinnerte, etwas, das in der Natur nicht vorkommen sollte und auch nicht vorkommt. Etwas direkt von irgendeiner Müllhalde in Jersey. Oder aus den Tiefen eines Dixi-Klos.“

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Suhrkamp Verlag
Erscheinungsdatum
2009
ISBN/EAN
978-3-518-42075-1
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
431
Preis
26,80 €
Status
nicht lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Tristan Egolf, Schriftsteller und Musiker, geboren 1971 in Spanien, starb 2005 in seiner Heimat Lancaster, Pennsylvania.