Zum Inhalt springen
Zu den aktuellen Empfehlungen
Cover: Herr Klee und Herr Feld

Empfehlung von
Monika Rieth, Frankfurt am Main

Michel Bergmann

Herr Klee und Herr Feld

Roman

Die beiden Brüder Moritz und Alfred Kleefeld sind in die Jahre gekommen und haben beschlossen, in Moritz‘ Gründerzeitvilla im Westend eine Geschwister-WG zu gründen. Alfred, alias „Freddy Clay" schwelgt in Erinnerungen an sein zweitklassiges Schauspielerdasein, Moritz, einst Student der Frankfurter Schule, ehemaliger Linker und Professor der Psychologie, besteht auf einem koscheren Haushalt (er lässt sich z.B. seinen Kuchen im Café Laumer auf mitgebrachtem koscherem Geschirr servieren). Sie pflegen hypochondrisch ihre Wehwehchen und Marotten und überbieten sich mit ihren eingebildeten Leiden – ein ständiger, nervtötender Kleinkrieg.

Von einem Tag auf den anderen gerät ihre eingespielte häusliche Ordnung ins Wanken, als die langjährige Haushälterin Frau Stöcklein, zermürbt von Alfreds Schikanen, kündigt.
Auf die Annonce der Brüder stellen sich 14 Bewerberinnen für die ausgeschriebene Stelle als Hausdame vor. Die Wahl der beiden fällt, man glaubt es nicht, auf die Palästinenserin Zamira, eine junge Frau aus Hebron, die sie mit ihrer Schönheit und ihrem Charme von Anfang an bezaubert.

Von heute auf morgen muss nun Zamira einen koscheren Haushalt führen und meistert die Herausforderung mit unvoreingenommener Spontaneität, wobei es ihr gelingt, die beiden alten Kampfhähne auch ab und an mit den Leckerbissen der palästinensischen Küche zu verführen. Alfred und Moritz übertreffen sich der jungen Frau gegenüber mit Liebenswürdigkeit und Fürsorge und vergessen dabei Zipperlein und Hypochondrie. An deren Stelle treten schon bald Eifersucht und Rivalität, und es entspinnt sich eine Art kalter Bruderkrieg. Vergangenes, Unverarbeitetes bricht auf, und in einer Rückschau werden die Biographien der beiden ungleichen Brüder gezeigt. Familiengeheimnisse, schmerzliche Erlebnisse in der Kindheit, die Flucht vor den Nazis, die Ermordung des Vaters im Konzentrationslager – „ein halbes Jahrhundert jüdisches Leben in der Bundesrepublik“. Und das Zusammenleben mit Zamira ist auch nicht konfliktfrei: „Jeden Abend Angst vor der Tagesschau. Wie behandelt Israel wieder die Palästinenser? Was ist jetzt wieder und müssen wir uns schämen, uns verteidigen?"

Zamira hält mit ihrer Kritik am israelischen Staat nicht hinterm Berg und bringt Moritz und Alfred dazu, ihre Standpunkte in Sachen Intifada und Palästinenserpolitik zu überdenken. Über die Auseinandersetzungen am Esstisch nähert sich das Dreigespann jedoch trotz aller Widersprüche und Meinungsverschiedenheiten manchmal auch einander an.

Michael Bergmann ist mit dem dritten Teil seiner Triologie ein vergnügliches Finale seiner Triologie gelungen. Die Brüder sind in der deutschen Gegenwart angekommen, in der es sich mit allen kleineren und größeren Schrullen, freundlich dahin leben ließe. Dass sie sich mit Zamira die aktuellen israelisch-palästinensischen Beziehungen ins eigene Haus geholt haben, ist ein genialer Schachzug des Autors.

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Arche Verlag
Erscheinungsdatum
2013
ISBN/EAN
9783716026939
Format
Buch
Seiten
400
Preis
19,95 €
Status
nicht lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Michel Bergmann wird 1945 als Kind jüdischer Eltern in einem Internierungslager in der Schweiz geboren. Nach einigen Jahren in Paris ziehen die Eltern nach Frankfurt am Main. Nach seiner Ausbildung bei der Frankfurter Rundschau wird er freier Journalist. Er entdeckt seine Liebe zum Film und arbeitet u.a. als Autor, Regisseur und Produzent. Seit über fünfzehn Jahren schreibt er Drehbücher für Film und Fernsehen. Der Roman "Herr Klee und Herr Feld" ist der dritte Band seiner Trilogie (Band 1:Die Teilacher, Band 2: Machloikes).