Jedediah Berry
Handbuch für Detektive
Roman. Aus dem Englischen von Judith Schwaab
Gleich auf den ersten zwanzig, dreißig Seiten hat mich dieses wunderbar skurrile Buch auf angenehme Weise an Brazil, den Film des Monty-Python-Mitglieds und Ausnahmeregisseurs Terry Gilliam, erinnert. Die Bilder, die Szenen, die beim Lesen in meinem Kopf entstanden, waren ausnahmslos filmreif. Und das in gutem Sinne, wenn Sie wissen, was ich meine.
Jedediah Berry,(der Name klingt schon wie eine Figur aus einer seiner eigenen Geschichten) hat in Handbuch für Detektive eine Welt erschaffen, die zu betrachten man sich genüsslich zurücklehnen kann und nichts weiter tun muss als umzublättern.
Charles Unwin, ein so langweiliger wie ultrakorrekter Mensch mit Hut und Mantel, steht in der Bahnhofshalle irgendeiner ewig verregneten Großstadt und schaut auf seine Armbanduhr, ein Geschenk für zwanzig treue Dienstjahre als namenloser Schreiber in der größten Detektivagentur, die man sich nur vorstellen kann. Es ist Punkt 7.23 Uhr.
Ihm bleiben also noch haargenau drei Minuten, bevor die geheimnisvolle Frau im karierten Mantel am Südeingang des Bahnhofs auftauchten müsste.
Sie anzusprechen wird er sich auch heute nicht trauen. Natürlich nicht. Da lässt sie plötzlich ihren Schirm fallen, und ebenso plötzlich sieht er mit bebendem Herzen seine Chance und will vielleicht gerade auf sie zugehen, als er hinter sich seinen Namen hört. »Mr. Charles Unwin?«
Ab da läuft dann alles schief. Aber auch wirklich alles. Zuerst einmal wird Unwin zum Detektiv befördert »Da muß ein Irrtum vorliegen« , dann wird ihm eindringlich nahe gelegt, sich unter Zuhilfenahme der Standardausgabe des Handbuchs für Detektive auf die Suche nach Travis Sivart zu machen, dem berühmtesten aller Detektive der Agentur, der auf unerklärliche Weise verschwunden ist und von dem er in der vorherigen Nacht noch geträumt hat, wie er in Unwins Badewanne sitzt, sich die Füße schrubbt und merkwürdiges Zeug redet. Nur verständlich, dass Unwin sich unverzüglich um Aufklärung dieses Missverständnisses bemüht. Dass er dabei kurz darauf seinen neuen Boss tot im Sessel auffindet, macht die Sache auch nicht gerade einfacher.
Ein Kriminalroman. Aber ganz anders. Seite um Seite vollgepackt mit skurrilen Ideen und überraschenden Wendungen, mit viel Tiefe und geradezu slapstickartigem Humor, eine, wie es im Klappentext heißt, »Art Fantasy Noir, ein Buch im Buch«, auf alle Fälle ein beeindruckendes Romandebüt.
Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln
Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.
- Verlag
- Beck Verlag
- Erscheinungsdatum
- 2010
- ISBN/EAN
- 978-3-406-60515-4
- Format
- Einband - fest (Hardcover)
- Seiten
- 383
- Preis
- 19,95 €
- Status
- nicht lieferbar
Zur Autorin / Zum Autor
Jedediah Berry wuchs in der Hudson Valley Region in New York State auf. Seine Kurzgeschichten sind in vielen Zeitschriften und Anthologien erschienen, zum Beispiel Best New American Voices und Best American Fantasy. Berry lebt in Northampton, Massachusetts, und arbeitet als Lektor bei Small Beer Press.