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Cover: God´s Pocket

Pete Dexter

God´s Pocket

Roman. Aus dem Englischen von Jürgen Bürger und Kathrin Bielfeldt

Leon hatte den Job auf dem Bau nur deshalb bekommen, weil dessen Mutter seinen Stiefvater Mickey gebeten hatte, seine Beziehungen spielen zu lassen, was dieser aber nur äußerst widerwillig tat, denn er hielt absolut nichts von dem Jungen. Eigentlich tat das niemand im Viertel. Mit Ausnahme der Mutter natürlich. In Mickeys Augen war Leon nichts weiter als ein mieser kleiner Drecksack, der ihm auf der Tasche lag, der immer das Maul zu weit aufreißen, andauernd mit seinem Rasiermesser herumfuchteln und mit irgendeiner dahergesponnenen Geschichte den großen Mann markieren musste. Dabei war er gerade mal Anfang zwanzig.   

Es war nur eine Frage der Zeit, bis er einmal an den Falschen geraten würde.  

Als Lucien, der fast siebzigjährige schwarze Maurer, ihm dann mit einer Eisenstange den Schädel einschlug, standen die restlichen Bauarbeiter nur da, und der Ausdruck in ihren Gesichtern schien weniger stummes Entsetzen als eine gewisse Art von Erleichterung auszudrücken, als wäre endlich etwas zu Ende. Und als Peets, der Vorarbeiter der Truppe, der Polizei später erklärte, der Junge sei durch einen Arbeitsunfall umgekommen, widersprach niemand. Stillschweigend waren sie übereingekommen, dass es so besser sei, und stillschweigend gingen sie auseinander.  

God’s Pocket in South Philadelphia. Ein ruhiges kleines Viertel. Die Menschen, die hier leben und arbeiten, sind allesamt Alteingesessene, die selten bis nie ihr Revier verlassen. Man kennt sich, man trifft sich in Bars wie dem Hollywood, dem Four Streets. Fremde werden hier nur ganz selten gesehen. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass das Auftauchen eines stadtbekannten, aber völlig ausgebrannten Reporters und Kolumnisten für einiges Aufsehen sorgt, noch dazu, weil sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass Leons Mutter nicht an einen Arbeitsunfall glaubt und Mickey noch dazu das in den Bars gesammelte Geld für den Sarg auf der Rennbahn verzockt hat.    

Der Ex-Journalist und heutige Drehbuch- und Romanschreiber Pete Dexter hat seinen Debütroman „God’s Pocket“ bereits 1983 verfasst. Nach seinen beiden Erfolgen „Train“ und „Paris Trout“, für den er 1988 mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde, ist es nur ein Glück, dass sein Erstlingswerk endlich ins Deutsche übersetzt wurde, stellt er die beiden anderen Bücher doch noch in den Schatten. „God’s Pocket“ ist eine makabre, eine ebenso traurige wie bitterbös witzige Geschichte, die es jedoch nicht an Einfühlungsvermögen fehlen lässt. Eben genau das, was Dexter auszeichnet.   

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Liebeskind Verlag
Erscheinungsdatum
2010
ISBN/EAN
978-3-935890-70-0
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
368
Preis
22,00 €
Status
vom Verlag als vergriffen gemeldet

Zur Autorin / Zum Autor

Pete Dexter, 1943 in Michigan geboren, arbeitete über fünfzehn Jahre als Zeitungsreporter. Nachdem er im Zuge einer kontroversen Berichterstattung angegriffen und krankenhausreif geschlagen wurde, gab er seinen Beruf auf. Heute lebt er als freier Schriftsteller im Bundesstaat Washington. Pete Dexter gilt als einer der profiliertesten Drehbuchautoren Amerikas und veröffentlichte bisher acht Romane. Er wurde u.a. mit dem National Book Award ausgezeichnet.