Shalom Auslander
Eine Vorhaut klagt an
Erinnerungen. Aus dem Amerikanischen von Robin Detje.
Der junge Shalom, der im jüdisch-orthodoxen Brooklyn aufwächst, hat es nicht leicht. Einerseits lockt das pralle Leben: Mädchen, Musik und Milchshakes, aber andererseits gibt es den allgegenwärtigen Gott, der alles sieht und stets bereit ist, zu rächen und zu strafen, sobald man es ihm nicht recht macht. Da das angesichts der unüberschaubaren Vielzahl von Ge- und Verboten kaum möglich ist, lebt Shalom in ständiger Angst, aber auch in ständiger Wut, ist doch auf Gott nicht einmal bei der Bestrafung Verlass. Das zeigt sich drastisch, als der Vater eines Mitschülers stirbt und der Rabbi den Schülern erklärt, für die Sünden des Sohnes würde bis zu dessen dreizehntem Lebensjahr der Vater bestraft. Als aber Shalom, der daraus den korrekten Schluss zog, der Sohn sei für den Tod des Vaters verantwortlich, sich hoffnungsfroh daran macht, möglichst viele Gebote zu brechen, um Gott dazu zu motivieren, auch seinen Vater zu sich rufen, passiert gar nichts! So geht es immer: Wenn er Gottes Strafe erwartet, kommt sie nicht, rechnet er nicht damit, trifft sie ihn mit ganzer Härte. Mit anderen Worten: Gott ist einfach unberechenbar. Damit sich die unvermeidliche Strafe wenigstens lohnt, sündigt der Junge, was das Zeug hält immer mit schlechtem Gewissen , bis er eines Tages beim Klauen erwischt und ins Internat nach Jerusalem geschickt wird. Erstaunlicherweise ist man dort liberaler, und es kommt, wie es kommen muss: Shalom wird fromm aber damit ist sein Hadern mit Gott noch lange nicht beendet ...
Eine witzigere (und treffendere) Abrechnung mit den bleibenden Auswirkungen einer monotheistischen Erziehung als Eine Vorhaut klagt an dürfte schwer zu finden sein. Angesiedelt zwischen Woody Allen und Philip Roth, sorgt sie bei Religionsgeschädigten für kathartische Lachtränen. Man muss sich auch nicht im orthodoxen Judentum auskennen, um Auslanders Beschreibung genießen zu können Leser mit streng katholischem oder protestantischem Hintergrund dürften sich in vielem problemlos wiedererkennen.
Irmgard Hölscher, Frankfurt am Main
Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.
- Verlag
- Berlin Verlag
- Erscheinungsdatum
- 2008
- ISBN/EAN
- 978-3-8270-0772-8
- Format
- Einband - fest (Hardcover)
- Seiten
- 352
- Preis
- 19,90 €
- Status
- nicht lieferbar
Zur Autorin / Zum Autor
Shalom Auslander wuchs in einer jüdisch-orthodoxen Familie in Monsey, New York, auf. Er schreibt Kolumnen und Kurzgeschichten für den New Yorker, Esquire und das New York Times Magazine. Eine Vorhaut klagt an wurde von der New York Times zu einem der besten 50 Bücher des Jahres 2007 gewählt. Auf deutsch erschien im Berlin-Verlag 2007 seine Kurzgeschichtensammlung Vorsicht, bissiger Gott.