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Cover: Dirac

Dietmar Dath

Dirac

Roman

Heipe Weiss, Frankfurt am Main

POISSON’SCHE Klammern - oder Welche Farbe hat der Spiegel? Fangen wir mit dem Ende an. Wie man das immer so macht, wenn man sich bei spannenden Büchern selbst den Spaß verderben will. Also den letzten Satz, wirklich den allerletzten Satz in Dietmar Daths unterhaltsamem Buch über Dirac und seine Kumpels Heisenberg und Schrödinger und die Quantenphysiker und Atombomben- und Zeitreisen- und UFO-Forscher und Mathematikmystiker des vergangenen Jahrhunderts et tutti quanti, nun, den letzten Satz sozusagen auch noch des Nachworts, den finde ich bodenlos gemein. Und bodenlos gemein wäre es ebenso, als Rezensent von Daths Buch es mit dieser Bemerkung bewenden zu lassen, weil Rache süß ist, sozusagen. Damit würde ich mich allerdings der Möglichkeit berauben, der Versuchung der vom Nobelpreisträger 1933, Dirac (zusammen mit Schrödinger, ihr wisst schon, dem mit der Katze) vermuteten „sehr großen Zahl“ - zehn hoch neununddreißig - zu erliegen und jede Menge Dath’scher Zitate in völlig abwegigen Zusammenhang zu bringen. Und das alles nur, um den Leser auf ziemliche falsche Fährten zu locken. Selbst wer wie ich vor bald schon zwei Jahrzehnten die Erfahrung gemacht hat, dass der Verzicht der täglichen Lektüre von Tageszeitungen mit der Endung AZ sehr zur Verbesserung der Grundlaune und des Urvertrauens in das Gute beim Menschen an sich beizutragen in der Lage ist, wird, - {so er dafür bekannt ist, klammheimlich für die Grundfragen unseres Universums und seiner kleinsten und aberkleinsten Atomteilchen sowie für die Probleme, die sich ergeben, (wenn deren Bewegungsgeschwindigkeit infolge unangemessener Theorien die [von Einstein persönlich] erlaubte Höchstgeschwindigkeit in geschlossenen Orbiten - Sprich: die Lichtgeschwindigkeit - zu überschreiten sich anschicken), ein wenn auch öffentlich geheucheltes Interesse zu hegen,} - allein durch das Samisdatartige Zeitungsaus-schnitteweitergabe-Wesen unter Freunden irgendwann notgedrungen mit dem Namen Dietmar Dath konfrontiert worden sein. Jener junge Hüpfer - er selbst zählt sich und seine mit-fünfunddreißigjährigen Freunde wohl eher zu der Generation, die jetzt und in Zukunft und immerdar gefälligst das Sagen hat - , der es im lesbar-verständlichen Erläutern hochkomplizierter Zusammenhänge von Quantenphysik, höherer Mathematik, Unschärfe-relationen und mehrdimensionaler Einstein’scher Feldschwankungsungereimtheiten im Zusammenhang mit ungeklärten, rückläufigen Zeit-Instabilitätsphänomenen vergangener wie zukünftiger Epochen zu wahrer Meisterschaft gebracht hat, beschreibt nun in einem von seinen Fans (wie mir) lang erwarteten 383 Seiten langen Suhrkamp-Verlagsbuch, wie es sich vereinbaren lässt, sich selbst als Lenin und Stalin durchaus treuen „frenetischen… Panegyriker des bewaffneten antiimperialistischen Kampfes“ zu bezeichnen und gleichzeitig bei der FAZ als „POP-Journalist“ im „dummen Tonfall des Berufsneugierigen...journa-listische Wissensherzeigerei…“ zu betreiben. Das nämlich schafft Dietmar Dath, sein Buch zu einer Art selbstreferentiellem Gesamtkunstwerksystem zu machen, in dem er in einem der beiden Handlungsstränge des Buches seine Freundesclique zu Kritikern und Lektoren seines Buches erhebt, und damit allem und jedem Rezensentengeschmeiß wie mir die „enorme und. ..diffuse Dummheit“ wie Luft aus den Segeln nimmt. Jaja, es gibt eben nix Schöneres als „keusche Intelligenz“..., statt dieser „verhurten kritischen“, wie man sie zum Beispiel in einer dieser immer häufiger anzutreffenden „linken, jedenfalls liberalen Zeitungen“ vorfinden kann. „Es wäre mir manchmal echt lieber, wenn du nicht alles aussprechen würdest, was du denkst“ - noch so ein Zitat, von Seite 220, das mich zusammenzucken und aus dem Fenster blicken ließ, ob sich in meinem Offenbacher Hinterhof tatsächlich „schwere Wolken ... priesterrock-dunkel ... über den Dächern ...ballen“. Ich sagte es bereits: Die von mir zitierten Stellen aus Dietmar Daths Buch sind tatsächlich willkürlich in falsche Zusammenhänge gestellt, so dass es nicht wundert, dass „Rindviecher ... einander... arbeitslos... im späten Licht... stehen“, bloß weil jemand behauptet, „Antimaterietechnologie“..., das sei „alles Quatsch“. Natürlich hat mich …gerade das Telefon unterbrochen…wie ging denn der Satz weiter…etwas „poetisches, politisches“… ist es Dath oder ist es Dirac, der mir gerade die Zunge rausstreckt…Diracs Löchertheorie über Quantenzustände in Poisson’schen Klammern und negativ-negativen Elektronen in Dirac’schen Meeren samt Frauen an der Küste hat mich derart „dezidiert unwüstig“ gemacht, dass ich am liebsten „in altmodischen Kästen mit Pappkärtchen … buchpflegerischen Tätigkeiten“ nachginge, statt über nur in Richtung Vergangenheit mögliche Zeitreisen zum Big Bang - „es ist nicht schwierig, ich bring’s dir bei“ - nachzudenken oder darüber, ob in CERN-Kreisbeschleunigern in fast Lichtgeschwindigkeit aufeinander zurasende schwerstleibige Protonen- und Neutronenhaufen beim Zusammenprall fast die doppelte Lichtgeschwindigkeit erreichen und damit das Raumzeitkontinuum zusammenbrechen lassen samt der dreifachen Feldtheorie, und infolgedessen Antimaterie in einem Ausmaß entstehen lässt, dass Dietmar Dath sein nächstes Buch zu schreiben beginnt, diesmal über das Thema Super-Strings und die zwölfdimensio-nierte Raumzeitverkrümmungsschnecke, ein Buch, auf das ich bereits sehnsüchtig warte, denn die Super-String-Theorie finde ich dermaßen überzeugend, obwohl es noch keiner geschafft hat, sie mir einleuchtend verständlich zu machen, dabei soll eins von den unendlich vielen direkt nebeneinander existierenden Universen ganz dicht neben mir nur darauf warten, diesen Satz beendet zu sehen, aber ich… Sie hätten gern mehr darüber gewusst, was es mit dem anfangs erwähnten letzten Satz von Dietmar Dath in seinem Buch über Dirac mit dem Titel“Dirac“, dreihundertunddreiundachtzig Seiten, Suhrkamp Verlag, August Zweitausendundsechs, auf sich hat? Ich will Ihnen gerne einen Tip geben: Schauen Sie doch mal ins Internet, unter www.wiewardasdochgleich.de…

Heipe Weiss, Frankfurt am Main

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Suhrkamp
Erscheinungsdatum
2006
ISBN/EAN
978-3-518-41863-5
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
382
Preis
19,90 €
Status
nicht lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Die Sowjetunion ist weg, Punk ist Retrochic, die RAF Kunstgeschichte, Vernunft eine Sache von Anlageberatern, nur die alten Fragen bleiben die gleichen: Wie funktioniert Leben? Wie sollen wir leben? Und wer entscheidet darüber: Wissenschaft, Religion, Kunst, Politik?