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Cover: Die Rückkehr des Buddha

Empfehlung von
Alena Heinritz, Insbruck

Gaito Gasdanow

Die Rückkehr des Buddha

Roman. Aus dem Russischen von Rosemarie Tietze

Was tun, wenn Außen- und Innenwelt einander unversöhnlich gegenüberstehen? Das Problem der Unvereinbarkeit von Physis und Psyche, Wahn und Wirklichkeit spielte schon in den früheren Romanen Gasdanows eine zentrale Rolle. In „Die Rückkehr des Buddha“ kämpft ein namenloser Protagonist um ein kleines Stückchen festes Land, auf dem er in der Ungewissheit stehen kann; es geht um Mord und Schuld und die Einsamkeit eines mit seiner Innenwelt überforderten Individuums.

Ein Tag im Frühling verändert das Leben des namenlosen russischen Studenten, der die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt, grundlegend. In einem Park bittet ihn ein Bettler um Geld. Weil er kein Kleingeld hat, gibt er dem heruntergekommenen, aber doch seltsam würdevollen Mann einen großen Schein. Zwei Jahre später trifft er den Bettler wieder, diesmal allerdings als reichen Mann, der mit dem Erbe seines verstorbenen Bruders ein bürgerliches Leben führt. Pawel Alexandrowitsch Schtscherbakow wird nun zum väterlichen Freund des Studenten, in seiner Wohnung geht der Jüngere ein und aus, sie essen zusammen und sprechen über Literatur, Philosophie und Religion. Dort lernt der Student auch Lida kennen, die Geliebte des Freundes, die sich in Schtscherbakows bürgerlicher Bequemlichkeit eingenistet hat. Der Student ist zugleich angezogen und abgestoßen von Lida und beginnt, Nachforschungen über sie anzustellen, die ihn die Halbwelt von Paris führen.

Sein Umgang mit Schtscherbakow und seine Nachforschungen können ihn aber nicht von seiner größten Sorge ablenken: er leidet unter seltsamen, plötzlich auftretenden Wahnvorstellungen, die ihn eine Zeitlang vollkommen beherrschen und es ihm unmöglich machen, anderen Menschen dauerhaft nahe zu kommen. Keiner seiner Versuche, sich davon zu heilen, war bisher erfolgreich. Nur eine vage Hoffnung hat er: dass durch ein wichtiges Erlebnis im Leben die Wahnvorstellungen von einem Tag auf den anderen ein Ende nehmen. Bis dahin lebt er zurückgezogen in ständiger Angst vor dem nächsten Anfall, der ihn in eine vollkommen fremde und oft sehr gefährliche Welt führt und bei dem er keine Kontrolle über seine Taten zu haben glaubt.

Gewöhnlich waren diese Wahnvorstellungen stets ein klar abgetrennter Teil seines Lebens; mit einem Mal aber beginnen sich Wahn und Wirklichkeit ununterscheidbar zu vermischen. Eines Nachts, nach einem behaglichen Abend in der Wohnung Schtscherbakows, überlegt er, ob es nicht besser sei, der Freund würde sterben, bevor ihm unvermeidliche Enttäuschungen die Freude über seinen plötzlichen Wohlstand verderben könnten. Am nächsten Tag wird Schtscherbakow ermordet aufgefunden. Der Verdacht fällt auf den Studenten. Erst die titelgebende Buddha-Figur führt zur Auflösung des Falls.

Gaito Gasdanow (1903-1971) lebte seit den 1920er Jahren selbst als russischer Emigrant in Paris, nachdem er im russischen Bürgerkrieg für die Weiße Armee gekämpft hatte. In Paris schlug er sich mühsam mit Gelegenheitsarbeiten durch und veröffentlichte seine Texte in Emigrationszeitschriften. Heute gilt er als einer der wichtigsten russischen Exilautoren, lange Zeit war sein Werk jedoch weitgehend unbekannt. Erst nach der Wende durften seine Texte in Russland erscheinen; für die deutsche Leserschaft wurden Gasdanows Romane erst vor wenigen Jahren entdeckt. Besonders der Roman „Das Phantom des Alexander Wolf“, der 2012 in deutscher Übersetzung erschien, sorgte für die Bekanntheit des Autors in deutscher Sprache. „Die Rückkehr des Buddha“ erschien auf Russisch zuerst 1947. Nun liegt auch dieser Roman endlich in deutscher Übersetzung vor.

Gasdanow gelingt es mit seinem Roman, dem Leser das unheimliche Gefühl zu vermitteln, nicht nur in der Welt fremd zu sein, sondern auch dem eigenen Geist nicht trauen zu können. In einer Nachbemerkung führt die Übersetzerin Rosemarie Tietze diese Wirkung der „Seelenkrimis“ Gasdanows auf die Exilerfahrung des Autors zurück. Ob man diese Begründung nun befriedigend findet oder nicht, die Haltlosigkeit, der der Protagonist ausgeliefert ist, wird bei der Lektüre dieses vergessenen Klassikers auch für den Leser spürbar.

Verlag
Hanser Verlag
Erscheinungsdatum
2016
ISBN/EAN
978-3-446-25047-5
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
224
Preis
19,90 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Gaito Gasdanow wurde 1903 in St. Petersburg geboren und wuchs in Sibirien und der Ukraine auf. Nach der russischen Revolution nahm er in General Wrangels Weißer Armee am Bürgerkrieg teil und gelangte schließlich 1923 nach Paris, wo er zunächst unter anderem in den Renault-Werken und als Taxifahrer arbeitete. Dort begann er auch regelmäßig literarische und journalistische Texte zu veröffentlichen. Wegen der existentialistischen Prägung seines Werks wurde Gasdanow wiederholt als der "russische Camus" bezeichnet. Sein Werk umfasst neun Romane und fünfzig Erzählungen, er gilt als einer der wichtigsten russischen Exilautoren. Von 1953 bis zu seinem Tod 1971 lebte und arbeitete er in München.

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