Massimo Carlotto
Die dunkle Unermesslichkeit des Todes
Roman. Aus dem Italienischen von Heinrich Schmidt-Henkel
Dieses Buch ist garantiert nicht für zarte Gemüter geeignet, eine Warnung gleich am Anfang der Rezension scheint mir daher angebracht. Wer es nicht erträgt, extreme Gewaltbeschreibungen zu lesen, sollte unbedingt die Finger vom nunmehr zweiten, im Tropen Verlag erschienenen Roman des Italieners Massimo Carlotto lassen. Das Buch jedoch nur mit dieser Meßlatte zu messen, würde nicht nur zu kurz greifen, es würde vor allem dem Autor großes Unrecht tun. Was Die dunkle Unermeslichkeit des Todes auszeichnet, ist nicht nur die Darstellung der einzelnen Charaktere und ihre schonungslose psychologische Ausarbeitung. Carlotto schreibt wie ein Chirurg arbeitet oder es zumindest tun sollte: äußerst präzise und ohne die Spur einer Gefühlsregung. Er erzählt die Chronologie der kaltblütig ausgeübten Rache eines Mannes, der alles, was ihm lieb war, verloren hat, und der an eine angemessene Bestrafung der Täter durch die Justiz nicht mehr recht glauben kann.
Vor fünfzehn Jahren hatten Silvio Contins Frau und sein Sohn das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Sie wurden von zwei Gangstern nach deren missglückten Überfall auf ein Juweliergeschäft zuerst als Geiseln genommen und kurze Zeit später von einem der beiden Kidnapper umstandslos erschossen. Der Polizei gelingt es nur einen der beiden Täter, nämlich Rafaello Baggiato, zu fassen. Der andere kann unerkannt mit der Beute fliehen. Nach diesem traumatisierenden Schicksalsschlag gerät das Leben Contins vollkommen aus den Fugen. Jedweder Grund, weiter zu leben, geht ihm verloren. Allein die Hoffnung, auch der flüchtige Unbekannte, dessen Identität preiszugeben Baggiato sich seit fünfzehn Jahren weigert, möge doch noch irgendwann gefasst und bestraft werden, hält Contin am Leben. Als sich ihm unerwartet die Möglichkeit bietet, dem Flüchtigen auf die Spur zu kommen, bekommt sein Dasein endlich wieder einen Sinn und ein Ziel. Contin plant und beginnt einen Rachefeldzug, der an einen Italo-Western erinnert: wer nicht für ihn ist, wird ausgeschaltet, bestenfalls für das Erreichen seines Zieles missbraucht.
Carlotto hat ein packendes und höchst moralisches Buch geschrieben, das in brutaler Konsequenz die Auswirkungen von Selbstjustiz vor Augen führt.
Ralph Wagner, Ypsilon Buchladen & Café, Frankfurt/Main
Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.
- Verlag
- Tropen-Verlag
- Erscheinungsdatum
- 2008
- ISBN/EAN
- 978-3-608-50200-8
- Format
- Einband - fest (Hardcover)
- Seiten
- 188
- Preis
- 19,00 €
- Status
- vom Verlag als vergriffen gemeldet