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Cover: Der Marsch

E.L. Doctorow

Der Marsch

Roman. Aus dem Englischen von Angela Praesent

Georgia. Winter 1865.  „Als die Jamesons abgefahren waren, stand Pearl, ihr Bündel in der Hand, noch immer auf dem Kies der Auffahrt. Der Massa hat nur einen raschen Blick auf sie geworfen, bevor er den Pferden die Peitsche gab.“ Der Amerikanische Bürgerkrieg sieht seinem Ende entgegen, die Übermacht der Unionstruppen treibt eine Welle der Zerstörung vor sich her, marodierende Blauröcke, so genannte Furagiertruppen, enteignen Plantagen und Farmen der Südstaatler, sie konfiszieren Lebensmittel, Gerät und Vieh, stehlen, brandschatzen. Die ehemaligen Plantagenbesitzer fühlen sich von den Konföderierten Truppen im Stich gelassen, also raffen sie zusammen, was sie mitnehmen können – und fliehen. Zurück bleiben die einstigen Sklaven, die eher verängstigt darauf warten, ihre „Befreier“ beim Wort zu nehmen. Auch die Farm, auf der Pearl aufwuchs, wird ausgeraubt und schließlich bis auf die Grundmauern niedergebrannt.

Anhand von mehreren Einzelschicksalen, die über Umwege jedoch eng mit einander verstrickt sind, beschreibt der mehrfach ausgezeichnete Autor E. L. Doctorow in seinem neuen Roman Der Marsch die Ausweglosigkeit, die Ungewissheit, die alle Parteien gleichsam eint. Ob nun Soldaten, Nord- wie Südstaatler, ob nun deren Generäle, „befreite“ Sklaven oder deren einstige „Besitzer“, ganz am Ende wird es keine Sieger geben. Nur Opfer. Die hoffen.

Ähnlich wie Pearl ergeht es Arly und Will, Soldaten der Konföderierten, die sich im Gefängnis kennen lernen. Sie wechseln, je nach Bedarf, ihre Uniformen, erst grau, dann blau, dann wieder grau,  blau, irgendwann schnappen sich einen sterbenden Kameraden, laden ihn auf einen Maultierkarren und geben sich als Krankenpfleger aus. Zwischendurch auch mal als Kriegsfotografen. Was zählt, was wirklich zählt, ist allein das  Überleben. Nicht der Wille dazu, den verspürt schließlich jeder.

Der Marsch hat mir sehr gut gefallen. Mein erster Roman von Doctorow. Und man muß sich nicht unbedingt für den Amerikanischen Bürgerkrieg interessieren, dieses Szenario läßt sich spielend in die heutige Zeit hinein korrigieren. Was auffällt, ist die enorme Lebendigkeit der einzelnen Protagonisten. Man weiß gar nicht, welcher Person man wünschen mag, daß sie „durchkommt“. Oder eben überrollt wird. Ein großartiger Roman.

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Fischer Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum
2009
ISBN/EAN
978-3-596-18200-8
Format
Einband - flex.(Paperback)
Seiten
416
Preis
10,95 €
Status
nicht lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Edgar Laurence Doctorow wurde 1931in New York, New York geboren. Für seine Romane erhielt er eine Vielzahl bedeutender Auszeichnungen, so z.B. den National Book Award und den PEN/Faulkner Award.