Leonardo Sciascia
Das Gesetz schweigt, der Richter spricht
Aus dem Italienischen von Monika Lustig. Mit einem Nachwort von Thomas Steinfeld
Palermo, 1930er-Jahre. Ein grausamer, akribisch geplanter Dreifachmord. Der Täter, ein entlassener Büroangestellter auf Rachefeldzug, ist geständig. Die Opfer: sein ehemaliger Vorgesetzter, ein hochgeschätzter Parteifunktionär; ein Buchhalter, sein Nachfolger; die eigene Ehefrau. Nach Wiedereinführung der Todesstrafe scheint die Gesetzeslage eindeutig. Für »totale Sicherheit« sorgt auch die Regimepropaganda mit der Behauptung, es habe gar keinen Mord gegeben. Tagelang sind die pompösen Bestattungsfeiern das Thema. Der Mordfall kommt vors Schwurgericht in Palermo, wo sich die Türen nur durch »Freundschaften« öffnen, und trifft dort auf den »kleinen« Richter. Für ihn ist die Ablehnung der Todesstrafe nicht nur ein unumstößliches Prinzip, sondern ein »Akt des Glaubens«: Allein mit seinem Gewissen zieht er gegen die Übermacht des Staates und seine unmenschlichen Gesetze ins Feld, wissend, dass er sich in seinem Urteil »der dunkelsten, der verborgensten, eben der hässlichsten Seite seiner selbst stellen muss«; ebenso, dass er damit seine Karriere verspielt.
Mit geschliffen ironischer Sprache schildert Sciascia die menschliche Verkommenheit inmitten sizilianischer Lebenswelten und legt im Dialog mit der Weltliteratur den großen Betrug des faschistischen Systems offen – quasi als Alter Ego des »kleinen« Richters, der sich in moralischer Übergröße sein gänzlich irrationales Vertrauen in die Menschlichkeit bewahrt. Ein Buch wie ein Vermächtnis.
- Verlag
- Friedenauer Presse
- Erscheinungsdatum
- 03.09.2026
- ISBN/EAN
- 978-3-7518-8072-5
- Format
- E-Book (Download)
- Seiten
- 172
- Preis
- 18,99 €
- Status
- lieferbar
Zur Autorin / Zum Autor
Leonardo Sciascia, am 8. Januar 1921 in Racalmuto auf Sizilien geboren, wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Er war Volkschullehrer und ging gleichzeitig schriftstellerischen und journalistischen Tätigkeiten nach. Die Zeitschrift Galleria und später auch Quaderni di Galleria wurden in diesen Jahren von Sciascia geleitet. Danach entschloß er sich, nur noch zu schreiben. Er veröffentlichte eine große Anzahl von Kriminalromanen, Erzählungen, Essays und Gedichte. Sciascia starb am 20. November 1989 in Palermo.
Monika Lustig ist Übersetzerin und Literaturvermittlerin. 2018 gründete sie die vielfach ausgezeichnete Edition Converso – Mediterrane Sprachwelten, die 2026 in die Friedenauer Presse überging. Sie übersetzte u. a. Werke von Andrea Camilleri, Grazia Deledda, Marcello Fois und Fabio Stassi.
Thomas Steinfeld, 1954 in Leverkusen geboren, studierte Germanistik und Musikwissenschaft in Marburg und Berlin. Er ist Journalist, Literaturkritiker, Übersetzer und Schriftsteller. Zuletzt erschien von ihm 2025 bei Rowohlt Rauschen in der Nacht. Die Wildgans – eine Geschichte des 20. Jahrhunderts. Thomas Steinfeld hat in Italien gelebt und das Land bereist, 2022 veröffentlichte er bei Rowohlt Italien. Porträt eines fremden Landes.