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Cover: Aus ihrer Sicht

Empfehlung von
Ines Lauffer, Autorenbuchhandlung Marx & Co, Frankfurt am Main

Alba de Céspedes

Aus ihrer Sicht

Roman. Aus dem Italienischen von Karin Krieger

Ist Alba de Céspedes‘ Heldin Allesandra eine moderne Emma Bovary? Eine Emma Bovary, die alle Frauen rächen und das Konzept der romantischen Liebe um jeden Preis vor der Ehe retten will? Und will man das heute überhaupt noch lesen? Ja, das will man, und man sollte es sich bloß nicht entgehen lassen, denn Alba de Céspedes Roman aus dem Jahr 1949 berichtet in einer schnörkellos kristallklaren Sprache mit so absoluter Hingabe von der Liebe, von der Unbedingtheit der Ideale, von der Kompromisslosigkeit der Jugend und der Erbarmungslosigkeit der Verhältnisse zwischen Mann und Frau, dass man neugierig diesem Leben lauscht, wie es wohl ausgehen mag … und es wird unerhört enden, so viel sei verraten, mehr aber nicht.

Alba de Céspedes, 1911 in Rom als Tochter einer italienischen Mutter und eines kubanischen Vaters geboren, arbeitete u.a. als Journalistin und lebte in einer Zeit, in der man seine Umwelt sehr genau beobachten musste. Beides kommt dem Roman zugute.

Alessandra – aus ihrer Sicht wird berichtet – ist noch ein Kind, als der Roman im Jahr 1939 einsetzt. Sie wohnt mit ihren Eltern in Rom, im Prati Viertel, unweit des Tiber. Ihr Lieblingsplatz ist das Fenster, von hier aus kann sie ins Kloster zu den Nonnen schauen, in die Höfe und die Fenster der Nachbarinnen – und das tägliche Einerlei beobachten, das Kochen und Putzen und Nähen und Einkaufen, das Aufbrechen der Männer am frühen Morgen, die Heimkehr zum Mittagessen, das erneute Aufbrechen, das Eintreffen der Liebhaber. Hier am Fenster sitzt sie mit ihrer Mutter, wenn diese nicht Klavierunterricht in fremden Häusern gibt oder Spaziergänge an den Tiber unternimmt. Ärmlich sind die Verhältnisse, faschistisch die Zeiten, und die Mutter trägt immer dieselben grauen Kleider – nur einmal lässt sie sich etwas schneidern, als sie ihr erstes und letztes Konzert gibt, ein blaues Kleid, das als blaues Lesezeichen wie ein Echo bis zum Ende zwischen den Seiten flattert.

Alessandra wird eine Zeit lang in den Abruzzen bei ihrer Großmutter leben, sie wird sich verlieben und heiraten, sich im Widerstand engagieren, vor deutschen Soldaten Rilke lesen, arbeiten, studieren und einem Hahn den Hals umdrehen. Vor allem aber beobachtet sie das Verhältnis zwischen Männern und Frauen und kämpft für ein würdevolles und glückliches Leben.

Das mag banal, privatistisch, vielleicht sogar kitschig klingen, ist es aber weder im Italien der 40er Jahre noch heute. Während Alessandras Mutter Madame Bovary verehrt, hat Alessandra selbst nichts für Emma übrig – sie wählt einen anderen Weg. Céspedes' Roman ist das literarische Zeugnis ihres Feminismus, und auch wenn es manchmal die Geschlechterverhältnisse holzschnittartig schildert, deutet das zwar auf sein Alter hin, schmälert aber die Lust an der Lektüre keineswegs.

Verlag
Insel Verlag
Erscheinungsdatum
2023
ISBN/EAN
978-3-458-64366-1
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
637
Preis
28,00 €
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor

Alba de Céspedes wurde 1911 in Rom geboren, als Tochter eines kubanischen Vaters und einer italienischen Mutter. Ihr erster Roman fiel wegen seiner zu selbstbestimmten Frauenfiguren der Zensur zum Opfer. Während des Krieges war de Céspedes im aktiven Widerstand und wurde zweimal inhaftiert. Später arbeitete sie als Radio- und Fernsehjournalistin, schrieb Prosa, Lyrik und fürs Theater. Ihre Romane waren internationale Bestseller. Alba de Céspedes starb 1997 in Paris.

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