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Cover: Alte Freunde

Rafael Chirbes

Alte Freunde

Roman. Aus dem Spanischen von Dagmar Ploetz

Jeder einzelne der alten Freunde ist inzwischen zum erfolgreichen Vertreter der exakt entgegengesetzten Seite, der Bourgeoisie geworden: abgebrüht, zynisch, als Bauunternehmer, Medienfunktionäre, Eurokraten fest im Sattel der modernen Gesellschaft. Resigniert gedenken sie einer Jugend und einer Revolution, die es nicht gab. Und Reue bleibt nicht aus. Rafael Chirbes gilt allgemein als einsame Stimme in der Wüste, die nach Aufhebung des "Pakts des Schweigens" und Aufarbeitung des Unrechts der Franco-Diktatur gerufen hat. Doch einverstanden ist der spanische Autor mit dieser Rollenzuweisung nicht unbedingt. Chirbes ist überzeugter Linker und eingefleischter Pessimist. Er trauert und das ohne jegliche politische Zielsetzung, trauert über das Ende einer 200-jährigen Utopie kommunistischer Ideale, trauert über den demütigenden Sieg des Kapitalismus und dessen widerwärtige Ersatz-Ideologie-Maschinerie, trauert über den gegenwärtigen Sozialpakt und das schiere Nichtvorhandensein eines übergreifenden gemeinsamen Projekts. Sein aktueller Roman "Alte Freunde" ist die personifizierte Trauer, personifiziert von einem Kreis alter Genossen, die angetreten waren, die Welt zu verbessern und nun, Jahre später, bei einem gemeinsamen Abendessen vor dem Scherbenhaufen ihrer Ideale stehen. Da ist Carlos, der seine Träume vom Schriftstellerleben gegen die Realität des Wohnungsmakelns eintauschen musste, seine Ex-Frau Rita, die lieber den kleinen Freuden der Konsumwelt vertraut als den schönen Utopien, Gúzman, dessen altkluge Söhne als Singer-Songwriter und Entwicklungshelfer die verblasste Weltverbessererfahne hochhalten, die Kunsthistorikerin Elisa, die die Schönheit der Revolution verkörperte und jung verstarb. Bauunternehmer Pedrito, ehemals Kopf der Zelle und immer noch großspurig, ist der Hellste. Er weiß, dass er nichts anderes tut, als Müll zu bauen. Jeder kommt zu Wort, in jedem Kapitel spricht ein anderer Ich-Erzähler, Aussage steht gegen Aussage. Chirbes’ Figuren wissen mehr als er selbst. Sie sind keineswegs autobiographisch zu sehen, verkörpern allerdings durchaus die unterschiedlicher Züge einer sehr persönlichen Vergangenheitsbewältigung. Nach "Der lange Marsch" und "Der Fall von Madrid" schließt Rafael Chirbes seine Trilogie mit einer bemerkenswerte Analyse des heutigen Spaniens. Martina Morawietz, Köln

Dieser Titel ist nicht mehr lieferbar.

Verlag
Kunstmann Verlag
Erscheinungsdatum
2004
ISBN/EAN
978-3-88897-363-5
Format
Einband - fest (Hardcover)
Seiten
236
Preis
10,00 €
Status
vom Verlag als vergriffen gemeldet

Zur Autorin / Zum Autor

Das literarische Meisterwerk von Rafael Chirbes: Das Porträt einer Generation, die vor dreißig Jahren die Welt verändern wollte und in den Niederungen der Wirklichkeit angekommen ist.Rafael Chirbes, in Deutschland der erfolgreichste unter den neuen spanischen Schriftstellern, ist nach "Der lange Marsch" und "Der Fall von Madrid" mit diesem letzten Teil seiner Trilogie aus dem Nachkriegsspanien in der Gegenwart angekommen.Chirbes, geboren 1949 in Tabernes de Valldigna bei Valencia, studierte in Madrid und lebt heute als freier Publizist in Beniorbeig/ Alicante. Zuletzt erschienen von ihm bei Kunstmann der Roman "Der Fall von Madrid" und "Am Mittelmeer".