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Autor
Rhodes, James

Der Klang der Wut

Untertitel
Wie die Musik mich am Leben hielt. Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini
Beschreibung

James Rhodes ist ein in den angelsächsischen Ländern bekannter Pianist. Berühmt nicht nur für seine Fähigkeiten im Spiel, sondern für eine gänzlich neue Art von Konzerten. Er will explizit ein junges Publikum ansprechen, und ganz besonders die, denen „Klassik“ bisher fremd ist. In seinen Darbietungen spricht er über die Komponisten, ihre Musik und was diese für ihn bedeutet. Er will, dass die Menschen von der Musik ergriffen werden und etwas von dem fühlen, was ihn bewegt – und was ihn gerettet hat. Denn dass er zu dem werden konnte, der er heute ist, war alles andere als selbstverständlich.

Als Siebenjähriger wurde er vom Sportlehrer seiner Schule vergewaltigt. Die kommenden Jahre werden für den Jungen zum Martyrium. Als er nach Jahren die Schule wechseln kann, ist es bereits zu spät: Gefühle der Schuld, des Ausgeliefertseins, Selbsthass und Selbstmitleid begleiten ihn seitdem. Drogenabstürze, Entzüge, Selbstverletzung, Suizidversuche und Aufenthalte in geschlossenen Kliniken wechseln sich ab. Das Einzige, was ihm immer wieder eine Atempause verschafft, ist Musik; sie wird sein Rettungsanker, mit dem er wieder Halt im Leben findet.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Nagel & Kimche, 2016
Format
gebunden
Seiten
320 Seiten
ISBN/EAN
9783312006540
Preis
22,90 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

James Rhodes, geboren 1975 in London, erhielt mit achtzehn Jahren ein Stipendium für die Guildhall School of Music and Drama. Er schlug es aus und hörte auf mit der Musik, besuchte stattdessen die Edinburgh University, ließ alles schleifen und flog von der Uni. Nach einem Jahr Arbeit bei Burger King in Paris studierte er Psychologie am University College in London, arbeitete dann fünf Jahre für eine Plattenfirma, erlitt einen Zusammenbruch, stellte sich den Gespenstern der Vergangenheit und nahm das Klavierspiel wieder auf. Heute ist er ein erfolgreicher Konzertpianist, Autor und Fernsehdozent. Er realisierte eine BBC-Doku über Chopin, eine Serie für Sky Arts TV mit dem Titel “Piano Man” und eine Doku “Notes from the Inside” für Channel 4. Er war der erste Klassikpianist mit einer CD beim Rockmusikproduzenten Warner Bros. Records.

Zum Buch:

James Rhodeswächst in einem wohlhabenden Londoner Stadtteil auf und besucht eine Privatschule. Im Alter von sieben Jahren wird er dort zum ersten Mal von einem Sportlehrer vergewaltigt. Die kommenden Jahre werden für den Jungen zum Martyrium, da der Missbrauch weiter anhält. Seine Versuche, sich Erwachsenen seiner Umgebung mitzuteilen, scheitern, da niemand das Offensichtliche wahrnehmen will. Als er nach Jahren die Schule wechseln kann, ist es bereits zu spät: Gefühle von Schuld, Ausgeliefertseins, Selbsthass und Selbstmitleid begleiten ihn seitdem und machen sein Leben zu einer Höllenfahrt. Drogenabstürze, Entzüge, Selbstverletzung, Suizidversuche und Aufenthalte in geschlossenen Kliniken wechseln sich ab. Das Einzige, was ihm immer wieder eine Atempause verschafft, ist Musik. Klassische Musik. Er beginnt, Klavierspielen zu lernen, und in den Zeiten zwischen den Schüben der Selbstzerstörung lässt die Musik ihn so etwas wie Ruhe und Hoffnung fühlen. Sie gibt ihm die Kraft, immer wieder zu versuchen, sich aus dem Sumpf, in dem er zu versinken droht, herauszuziehen, und sie ist der Weg, der ihn zu Menschen führt, bei denen er lernt, nach und nach verlässliche Beziehungen aufzubauen.

„Der Klang der Wut“ ist eine wilde Abrechnung mit und eine Hymne auf das Leben. Der Text strotzt voller A- und F-Wörter, er ist hemmungslos, offen bis zur Schmerzgrenze, öfter auch redundant – er schlägt buchstäblich um sich. Aber er ist auch zart, anrührend, klug und voller Kraft. Jedes Kapitel beginnt mit einem kurzen Text über einen Komponisten und ein Musikstück und die Bedeutung, die es für Rhodes hat. Wie alles in diesem Buch radikal subjektiv, aber gerade darin erhellend und originell. Was Klavierspiel einem Interpreten wirklich abverlangt, habe ich hier zum ersten Mal wirklich verstanden.

Weshalb soll man das lesen? Rhodes gelingt es, dem Leser erfahrbar zu machen, wie Missbrauch den Körper und die Seele eines Kindes zerstört (ohne ins Detail zu gehen) und trotz allem eine Art von Heilung möglich ist. In seinem Fall durch Musik und Liebe. Nicht die „romantische, große Liebe“, sondern die Liebe zu seinem Kind, die selbstlose Liebe von Freunden und schließlich die tiefe, verlässliche Liebe zu seiner zweiten Frau. Und durch die Musik, die ihm zu einem eigenen Ausdruck verhilft, aber auch durch das disziplinierte Üben und die Konzentration alle anderen Gedanken verdrängt.

Inzwischen ist Rhodes ein bekannter Pianist geworden. Berühmt nicht nur für seine Fähigkeiten im Spiel, sondern für eine gänzlich neue Art von Konzerten. Er will explizit ein junges Publikum ansprechen, und besonders die, denen „Klassik“ bisher fremd ist. In seinen Darbietungen spricht er über die Komponisten, ihre Musik und was diese für ihn bedeutet. Ihm ist es gleich, ob das Publikum nach jedem Satz eines Stückes klatscht, ob es Getränke mit in den Saale nimmt, ob es „korrekt“ gekleidet ist und der Veranstaltung mit dem gebührenden Ernst folgt. Er will, dass die Menschen von der Musik ergriffen werden und etwas von dem fühlen, was ihn bewegt – und gerettet hat. Und das scheint großartig zu funktionieren.

Ruth Roebke, autorenbuchhandlungmarx&co, Frankfurt