Zum Buch:
Als erster „Biograph“ der Stadt Jerusalem gilt der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus. Als Berater des römischen Feldherrn Titus musste er am Ende einer viermonatigen Belagerung durch dessen 60.000 Legionäre die völlige Vernichtung seiner Heimatstadt mit ansehen. Er notierte, die einst so blühende Stadt gleiche einem Beinhaus. Seiner Schätzung nach fanden über eine Million Menschen den Tod: erschlagen, verbrannt, verhungert. Die gefangenen Juden wurden entweder versklavt oder später im Circus von wilden Tieren zerfleischt. So geschehen im Jahr 70 n. Chr. »Aber«, wie der Autor Simon Sebag Montefiore in der vorliegenden Biographie ergänzend hinzufügt, »die Asche dieser Katastrophe barg die Saat nicht nur des modernen Judentums, sondern auch der Heiligkeit Jerusalems für das Christentum und den Islam.«
Die Geschichte Jerusalems, so viel steht fest, begann um 5000 v. Chr. Damals ein nicht nennenswertes, ärmliches Dorf mit gerade mal ein paar Hundert Einwohnern, die sich um eine Bergquelle stritten. Überhaupt gleicht die Historie dieses einst so unwirtlichen Fleckens einem ewigen Kampf und Aufbegehren, und das bis zum heutigen Tag. In neun Kapiteln beschreibt Simon Sebag Montefiore, dessen Vorfahren bereits eng mit dem Schicksal der Heiligen Stadt verbunden waren, nichts weniger als die Geschichte der Welt, von den frühesten Anfängen bis ins 20. Jahrhundert hinein. Man lernt enorm viel. Man versteht die Zusammenhänge besser – und natürlich ist es außerordentlich spannend. Ich war um jede noch so kleine Fußnote dankbar und empfehle dieses großartige Werk all jenen, die sich auch nur ansatzweise für Geschichte interessieren. Es lohnt sich.
Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln