Zum Buch:
“Kunst als Protest”, was für ein tolles Thema angesichts von Zukunftsängsten und Resignation in herausfordernden Zeiten. Die amerikanische Künstlerin, Aktivistin und Autorin De Nichols richtet ihr Buch an Kinder und Jugendliche, erzählt Protestgeschichte und Geschichten über Menschen, die aktiv geworden sind, und macht Lust darauf, die eigene Stimme zu erheben. Sie erklärt in knapper, aber erhellender Form, warum Kunst für soziale Bewegungen wichtig ist, erzählt, wie sie selbst mit Protestkunst in Berührung gekommen ist, und arbeitet spannend z.B. die Unterschiede zwischen Streetart, Guerilla- und Performance-Kunst heraus.
Ein historischer Überblick beginnt Anfang des neunzehnten Jahrhunderts mit Francisco de Goyas Kriegsdarstellungen, nennt beispielhaft die Suffragetten, die sich Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts für das Wahlrecht von Frauen einsetzten, streift die Dadaisten in Europa, Diego Riveira in Mexiko, aber auch weniger bekannte Strömungen wie den Aba-Frauenkrieg in Westafrika oder den Juni-Aufstand in Südkorea in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts.
Noch spannender als Geschichten über mutige Aktivist*innen der Vergangenheit dürfte für Jugendliche der Einblick in die praktische Umsetzung sein: De Nichols stellt Werkzeuge wie Schrifttypen und ihre typografische Wirkung, Druck- und Collagetechniken oder Farben als wesentlichem Element vor, etwa den Einsatz der Farbe Gelb, mit dem die Regenschirm-Revolution in Hongkong für Aufmerksamkeit sorgte, oder des Blaus bei den Indigo-Unruhen in Indien.
Einzelne Abschnitte sind überschrieben mit der Frage: „Was siehst Du?“, um den Blick zu schulen und dadurch eigene Ideen in eine aussagekräftige künstlerische Form zu bringen. „Leg los!“ ist der letzte und vielleicht entscheidende Schritt: „Leg los. Gestalte den Wandel, der nötig ist für eine bessere Welt.“
Das großformatige Sachbuch Auf die Straße! Kunst als Protest ist eine gelungene Mischung aus ermutigenden Geschichten von Aktivist*innen aus aller Welt und echten Handreichungen, um selbst ins Handeln zu kommen. Gemeinsam mit anderen Künstler*innen, die dieses Buch mitillustriert haben, macht De Nichols Lust, sich auszuprobieren. Wer schon mal ein kreatives Plakat für eine Demo gestaltet oder zusammen mit anderen auf einem großen Platz Protestlieder gegen Ungerechtigkeit und Missstände gesungen hat, weiß, wie viel Zuversicht dabei entsteht, und ahnt, wieviel Veränderung möglich ist, wenn Viele sich zusammentun.
Larissa Siebicke, autorenbuchhandlung marx & co, Frankfurt