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Auf Erden sind wir kurz grandios

Autor
Vuong, Ocean

Auf Erden sind wir kurz grandios

Untertitel
Roman. Aus dem Englischen von Anne-Kristin Mittag
Beschreibung

Der Lyriker Ocean Vuong zählt unbestreitbar zu den neuen Stars der amerikanischen Gegenwartsliteratur und wird außerdem als Vertreter einer neuen queeren und migrantischen Generation gefeiert. Sein erster Roman Auf Erden sind wir kurz grandios ist erkennbar autobiographisch beeinflusst und stellt ein beeindruckendes Kaleidoskop von Erinnerungen und Momentaufnahmen aus einer Kindheit und Jugend vor, die vorwiegend von Trauma und Gewalt geprägt ist. Vuong gelingt es dennoch, diese voller Intimität und Zärtlichkeit zu schildern.
(Ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Hanser Verlag, 2019
Seiten
240
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-446-26389-5
Preis
22,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Ocean Vuong wurde 1988 in Saigon, Vietnam, geboren und zog im Alter von zwei Jahren nach Amerika, wo er heute lebt. Für seine Lyrik wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt u.a. mit dem Whiting Award for Poetry (2016) und dem T.S. Eliot Prize (2017). Auf Erden sind wir kurz grandios ist sein erster Roman.

Zum Buch:

Für wen schreiben wir? An wen richtet sich unser Schreiben? In dem Roman Auf Erden sind wir kurz grandios wendet sich der Protagonist Little Dog an seine Mutter. Die Adressierung des Textes bestimmt seinen Inhalt. Er handelt von der Flucht der Großmutter vor dem Krieg erst nach Saigon, und dann mit Tochter und Enkel 1990 raus aus Vietnam, in die USA. Beide Frauen sind zutiefst traumatisiert. Er handelt von der Kindheit und Jugend Little Dogs in Amerika. Seine Erfahrungen als Dolmetscher für Mutter und Großmutter, die Zeit in der Schule, seine erste Liebe zu einem amerikanischem Jungen, sein Ausbruch und Umzug in die Großstadt, und die Freiheit, die er durch sein Schreiben erfährt. Vuong erzählt dabei nicht die äußeren Umstände, die Stationen oder Umstände der Familiengeschichte, entwirft kein allgemeines Bild der Gesellschaft, weder der vietnamesischen noch der amerikanischen. Was geschildert wird, sind Momentaufnahmen; vereinzelte Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend, eigene und weitergegebene. Was der Junge über die Geschichte seiner Familie weiß, hat er von seiner Großmutter. Die Mutter hingegen redet kaum. Dennoch ist das Buch voll von ihr. Sie ist in jeder Erinnerung präsent. Obwohl die Schilderungen vorwiegend von Gewalt geprägt sind, ist Vuongs Darstellung nicht nüchtern und distanziert, sondern intim und fast zärtlich. Besonders deutlich ist diese Ambivalenz in den Szenen, die die Gewalt der Mutter gegen den Sohn schildern, in denen ihre Traumatisierung und fehlende Impulskontrolle sich mit dem verzweifelten Wunsch für ihren Sohn mischt, er möge stärker werden; stark genug für die Gesellschaft, die ihm spürbar feindlich gegenübersteht. Es ist ein schmerzliches Liebesgeständnis, das Little Dog an seine Mutter richtet. Sie wird das Buch ihres Sohnes nie lesen. Sie ist Analphabetin und spricht kaum Englisch.

Der autobiographisch inspirierte Roman wird in den USA bereits als Meilenstein der jungen, queeren und migrantischen Literatur gefeiert. So entscheidend die Repräsentation dieser in der Gegenwartsliteratur bisher kaum wahrgenommenen Gruppe ist, so bleibt sie doch nicht das einzige Verdienst dieses Romans. Auch stilistisch gelingt es dem jungen Autor, spannende Impulse zu setzen. Mit zu den interessantesten Momenten des Romans zählen die kunstvoll ineinander verwobenen Szenen. Augenblicke, die zwei Generation und dreißig Jahre auseinanderliegen, fallen so in eins, weil sie als Erinnerungen die Personen in ihrer Gegenwart bestimmen.

Theresa Mayer, autorenbuchhandlung marx & co, Frankfurt