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Rude Girl

Autor
Weyhe, Birgit

Rude Girl

Beschreibung

Kulturelle Aneignung ist das Reizthema der Stunde. Dass sich dieser Vorwurf (wegen des Comics Madgermanes) gegen die Zeichnerin und Autorin Birgit Weyhe richtet, die sich mit ihren penibel recherchierten, immer politischen und ästhetisch originellen Graphic Novels einen Namen gemacht hat mag überraschen – kaum aber, dass Weyhe ihn sich sehr zu Herzen nimmt. Ihre neue Graphic Novel Rude Girl beginnt mit dieser Kritik, und die außergewöhnliche Form der Erzählung ist auch in ihrer Auseinandersetzung mit der eigenen Position als weiße, deutsche Autorin begründet. Klingt womöglich umständlich, wenig elegant, defensiv. Aber keine Sorge, Rude Girl überzeugt in Geschichte, Reflexion und Gestaltung gleichermaßen.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
avant-verlag, 2022
Seiten
312
Format
Broschur
ISBN/EAN
978-3-96445-068-5
Preis
26,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Birgit Weyhe, 1969 in München geboren, verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Ostafrika und kehrte im Anschluss an ihr Abitur nach Europa zurück. Sie studierte Germanistik und Geschichte und begann 2002 mit dem Studium der Illustration an der HAW Hamburg, wo sie 2009 ihr Diplom erhielt. Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche Preise. 2014 wurde sie mit dem “Comicbuchpreis” ausgezeichnet.

Zum Buch:

Kulturelle Aneignung ist das Reizthema der Stunde. Dass sich dieser Vorwurf (wegen des Comics Madgermanes) gegen die Zeichnerin und Autorin Birgit Weyhe richtet, die sich mit ihren penibel recherchierten, immer politischen und ästhetisch originellen Graphic Novels einen Namen gemacht hat und dieses Jahr in Erlangen als beste deutschsprachige Comic-Künstlerin ausgezeichnet wurde, mag überraschen – kaum aber, dass Weyhe ihn sich sehr zu Herzen nimmt. Ihre neue Graphic Novel Rude Girl beginnt mit dieser Kritik, und die außergewöhnliche Form der Erzählung ist auch in ihrer Auseinandersetzung mit der eigenen Position als weiße, deutsche Autorin begründet. Klingt womöglich umständlich, wenig elegant, defensiv. Aber keine Sorge, Rude Girl überzeugt in Geschichte, Reflexion und Gestaltung gleichermaßen.

Bei einem Interview lernt Birgit Weyhe die afroamerikanische Germanistikprofessorin Priscilla Layne kennen. Weyhe ist fasziniert von Laynes Biografie, ihrem Aufwachsen zwischen Rassismus und kulturellen Zuschreibungen, und von ihrer Begeisterung für Kafka und Skinheads. Immer wieder wurde sie „Oreo“ genannt, nach den außen schwarzen und innen weißen Keksen – ein durchaus abwertender Vergleich, der für die oft gnadenlose Abschottung der Milieus steht, in und zwischen denen sich Priscilla Layne bewegt. Aber eigentlich erzählt Birigt Weyhe nicht einfach nach, was sie von ihrer Gesprächspartnerin erfährt. Sie konstruiert eine neue Geschichte über ein Mädchen, eine Frau namens Crystal. Die einzelnen Kapitel legt sie ihrer Inspirationsquelle vor, diese kommentiert, kritisiert, lobt, ergänzt, akzentuiert. Weyhe macht ihre Perspektive deutlich, viel mehr aber noch den Umstand, dass jede Geschichte nicht nur Konstruktion ist, sondern darin auch ihre Bedeutung erhält. Was bestimmt meine Identität stärker – die Klasse, der ich zugehöre, oder meine ethnische Herkunft? Welche Rolle spielt Bildung? Befestigt sie Macht oder erlaubt sie die Bewegung hin zu den wirklich eigenen Interessen? Die kulturellen Referenzen für Crystal, für Priscilla Layne, für Birgit Weyhe spielen in dieser Erzählung eine immense Rolle und sorgen immer wieder für Überraschungen.

Überzeugend ist schließlich auch Weyhes besonderer Zeichenstil. Unaufgeregt sucht (und findet) sie Lösungen für Bilder für das Unsagbare wie Missbrauch. Orange, Grün und Schwarz sind die dramaturgisch eingesetzten Farben, der Rhythmus zwischen klassischem Panel und künstlerischer Seite vermittelt die Komplexität des Dargestellten und macht es unserem Interesse zugänglich und vor allem eins: neugierig.

Jakob Hoffmann, Frankfurt a. M.