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Autor
Bajtlik, Jan

Ariadnes Faden

Untertitel
Götter Sagen Labyrinthe. Aus dem Polnischen von Thomas Weiler. Ab 8 Jahre
Beschreibung

Wer kennt es nicht, das Labyrinth des Minotaurus und sein menschenverschlingendes Ungeheuer, und wer kennt ihn nicht, den Ariadnefaden, der Theseus sicher aus dem Labyrinth geleitet hat, und,ja, wer kennt sie nicht, all die Bücher, die diese Geschichten nacherzählen.

Dem Moritz-Verlag ist es wieder einmal gelungen, ein ganz besonderes Buch zu verlegen, das die Geschichten der griechischen Mythologie in noch nie gesehener Weise vor Augen führt.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Moritz Verlag, 2019
Format
Gebunden
Seiten
80 Seiten
ISBN/EAN
9783895653803
Preis
24,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Jan Bajtlik, geboren 1989 in Warschau, studierte dort Grafikdesign. Er veröffentlicht Bücher für Kinder, erfindet Schriften und bietet Typographie-Workshops für Kinder an. Für ein typographisches Mitmachbuch zeichnete ihn die Bologna-Messe 2015 aus. Er illustriert für das Time Magazine und die New York Times und arbeitet für das Modehaus Hermès.

Zum Buch:

Wer kennt es nicht, das Labyrinth des Minotaurus und sein menschenverschlingendes Ungeheuer, und wer kennt ihn nicht, den Ariadnefaden, der Theseus sicher aus dem Labyrinth geleitet hat, und,ja, wer kennt sie nicht, all die Bücher, die diese Geschichten nacherzählen.

Dem Moritz-Verlag ist es wieder einmal gelungen, ein ganz besonderes Buch zu verlegen, das die Geschichten der griechischen Mythologie in noch nie gesehener Weise vor Augen führt. Wir begegnen Sisyphos und Ödipus, der Argo und dem goldenen Vlies, Herakles und Prometheus auf großen, zweiseitigen Bildern, die immer – nicht nur beim Minotaurus – als Labyrinthe angelegt sind. Das eröffnet auch kleinen Kindern die Möglichkeit, sich spielerisch, mit Fingern und Augen suchend, der Antike zu nähern. Dem Erwachsenen an der Seite der Kinder ermöglichen diese Irrgärten einen Einstieg, um von der Schmiede des Hephaistos, dem Koloss von Rhodos, dem Trojanischen Krieg oder den Irrfahrten des Odysseus zu erzählen.

Die in kräftigen Farben und mit starken Kontrasten gemalten Bilder bergen eine Vielzahl von Göttern, Halbgöttern und Helden, die nicht nur von der Mythologie, sondern auch von dem Alltag der Griechen berichten. Wie in einem Wimmelbild vertiefen wir uns in die Olympischen Spiele mit ihrem Pankration – dem Kampf, bei dem fast alle Griffe erlaubt sind –, sehen das Wagenrennen, denWaffen- und den Doppellauf. Wir schauen zu, wie sich die Sportler mit Olivenöl einreiben, und entdecken die einzige Frau, die den Spielen beiwohnen darf: die Priesterin der Göttin Demeter. Wir blicken voll Staunen in die Häuser der alten Griechen, in Frauen- und Männergemächer, in Bäder mit Toiletten und Badewannen. Nur kurze Texte geben Auskunft über das Geschehen; wer mehr Informationen sucht, darf im Anhang lesen und schmökern.

Der polnische, für seine Kinderbücher mehrfach ausgezeichnete Autor und Illustrator Jan Bajtlik hat die meisten seiner Bilder multiperspektivisch angelegt und sich für sie von zahlreichen antiken Mosaiken und Vasenmalereien inspirieren lassen. Nur über die endlose Plackerei des armen Sisyphos dürfen auch wir uns nicht in der Vogelperspektive erheben, sondern werden gnadenlos in sein vergebliches Mühen einbezogen. Aber auch unabhängig von der Perspektive hat jedes Bild Bajtliks eine unwiderstehliche Sogkraft. Ganz sicher ist dies kein Buch für die Westentasche, mit seinen fast 30 auf 40 Zentimetern aber das Beste, was einem an einem verregneten oder verschneiten Abend passieren kann.

Ines Lauffer, autorenbuchhandlung marx & co, Frankfurt