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Die Ladenhüterin

Autor
Murata, Sayaka

Die Ladenhüterin

Untertitel
Roman. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
Beschreibung

Ein kleiner Supermarkt in Japan, ein sogenannter Konbini. Sieben Tage in der Woche rund um die Uhr geöffnet, im Angebot warme und kalte Speisen und Getränke und ansonsten alles, was man im Alltag so braucht. Es gibt tausende solcher Läden in Tokios einförmigen Vorstädten, alle mit dem gleichen Angebot, alle mit den gleichen Uniformen für die Angestellten, die ihre Kunden überall mit dem gleichen freundlichen Lächeln und den gleichen Höflichkeitsfloskeln bedienen. Nicht gerade ein passender Schauplatz für einen Roman, könnte man meinen, aber Die Ladenhüterin der gefeierten japanischen Autorin Sayaka Murata lässt einem bei der Lektüre zunehmend die Haare zu Berge stehen.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Aufbau Verlag, 2018
Seiten
145
ISBN/EAN
978-3-351-03703-1
Preis
18,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Sayaka Murata wurde 1979 in der Präfektur Chiba, Japan, geboren und arbeitet selbst in einem Konbini. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie bereits mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Noma-Literaturpreis für Nachwuchsschriftsteller und den Mishima-Yukio-Preis. Ihr Roman “Die Ladenhüterin” gewann 2016 mit dem Akutagawa-Preis den renommiertesten Literaturpreis Japans.

Zum Buch:

Ein kleiner Supermarkt in Japan, ein sogenannter Konbini. Sieben Tage in der Woche rund um die Uhr geöffnet, im Angebot warme und kalte Speisen und Getränke und ansonsten alles, was man im Alltag so braucht. Es gibt tausende solcher Läden in Tokios einförmigen Vorstädten, alle mit dem gleichen Angebot, alle mit den gleichen Uniformen für die Angestellten, die ihre Kunden überall mit dem gleichen freundlichen Lächeln und den gleichen Höflichkeitsfloskeln bedienen. Nicht gerade ein passender Schauplatz für einen Roman, könnte man meinen, aber Die Ladenhüterin der gefeierten japanischen Autorin Sayaka Murata lässt einem bei der Lektüre zunehmend die Haare zu Berge stehen. Denn die Geschichte, die sie aus der Perspektive ihrer Protagonistin Keiko Furukura in wunderbar knappen, klaren Sätzen erzählt, in denen kein Wort zu viel ist, ist so schräg, so absurd und so beklemmend, dass es einem den Atem verschlägt.

Keiko Furukura, 36 Jahre alt, arbeitet seit 18 Jahren als Aushilfe im Konbini, und das tut sie perfekt. Uniform und Frisur sind stets vorschriftsmäßig, ihr Verhalten tadellos, ihre Freundlichkeit und ihr Lächeln entsprechen in jeder Hinsicht dem Bild der perfekten Angestellten. Doch hinter dieser Fassade steckt ein Wesen, das von einem anderen Stern zu kommen scheint und die Regeln menschlichen Zusammenlebens mühsam erlernen muss. Und dafür ist der Konbini die perfekte Umgebung: Hier ist alles bis ins kleinste vorgeschrieben und geregelt, vom Bedienen der Kasse über das Einräumen der Regale und das Vorbereiten der Speisen bis zum Umgang mit Kunden. Hier ist Keiko glücklich und in ihrem Element, 17 Jahre lang. Nur leider gibt es da auch noch die Welt außerhalb des Konbinis, und deren Ansprüchen genügt sie keineswegs: Sie hat keinen anerkannten Beruf, keine Kinder, keinen Ehemann, ja sogar noch nie eine sexuelle Beziehung gehabt, und damit liegen ihr ihre Schwester und ihre drei Freundinnen ständig in den Ohren. Als dann eines Tages Shiraha erst im Supermarkt und dann in ihrem Leben auftaucht, ergreift sie die Gelegenheit beim Schopf – und hat ihn nach kurzer Zeit den ganzen Tag in ihrer Badewanne sitzen …

Man kann Die Ladenhüterin als eine Studie über Autismus lesen, als Kritik am Konformitätsdruck – keineswegs nur – der japanischen Gesellschaft oder auch als generelle Kapitalismuskritik. Aber vor allem und an erster Stelle ist es eine ungeheuer schräge und streckenweise saukomische Liebesgeschichte, die nach einigen Krisen schließlich doch noch zu einem Happy End findet, einem Happy End allerdings, das sprachlos macht – und über das man noch lange nachdenken wird, wenn man beim REWE mal wieder in der Schlange steht.

Irmgard Hölscher, Frankfurt am Main