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Das schwarze Schaf

Autor
Calvino, Italo

Das schwarze Schaf

Untertitel
Illustrationen: Lena Schall. Ab 5 Jahre
Beschreibung

Wie kam der Reichtum in die Welt? Wie die Armut?
Wenn alle Diebe sind und nur vom Diebstahl leben können, sprengt ein einziger Ehrlicher jede bestehende Ordnung. So auch in der Erzählung von Italo Calvino, welche die Illustratorin Lena Schall auf einzigartige Weise zu neuem Leben erweckt hat.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
mixtvision, 2017
Seiten
32
Format
Gebunden im Schuber
ISBN/EAN
978-3-95854-101-6
Preis
19,90 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Italo Calvino (1923-1985) wurde in Kuba geboren, wuchs aber in Italien auf. Nach seinem Literaturstudium arbeitete er als Journalist, Lektor und Autor und war auch politisch engagiert. Er gilt als der bedeutendste italienische Schriftsteller der Nachkriegszeit und seine Werke zählen zu den Klassikern der Postmoderne.

Zum Buch:

Es gab mal eine Stadt, in der alle Einwohner Diebe waren.

So beginnt die Kurzgeschichte von Italo Calvino, die hier von der überragenden Illustratorin Lena Schall bildhaft umgesetzt wurde. In jener namenlosen Stadt verließen die Bewohner mit Anbruch der Dämmerung ihre Häuser und schlichen mit Sack, Taschenlampe und Dietrich bewaffnet um die Ecken. Erst im späten Morgengrauen kam jeder voll bepackt zurück – und fand sein eigenes Haus leer geräumt vor.

Da aber nun jeder jeden bestahl, und das Nacht für Nacht, hatte auch jeder sein Auskommen, und daher was auch alles gut. Handel kannte man in dieser Stadt nur in Form von Betrug, und selbst die Regierung war allein dafür zuständig, ihre Untertanen bis aufs letzte Hemd auszuplündern, wobei diese es ihnen in gleicher Weise heimzahlten, indem sie wiederum ihre Regierung rückhaltlos übers Ohr hauten. Dieses System gelang so gut, dass jeder mehr oder weniger zufrieden war, denn es gab weder Reiche noch Arme. Bis dann eines Tages ein Ehrlicher in die namenlose Stadt kam, der, anstatt nachts auf Raubzug zu gehen, viel lieber zu Hause blieb und Romane las.

Als wie gewohnt die friedlichen Einbrecher kamen und das Licht brennen sahen, stiegen sie nicht ein und zogen unverrichteter Dinge weiter.
Nun war die Kette zum ersten Mal durchbrochen, das Durcheinander nahm seinen tragischen Verlauf.

Man kann und muss die Arbeitsweise, deren sich Lena Schall hier bedient hat, nur einzigartig und unverkennbar nennen. Was da in einer wilden Mixtur aus Collagen, Zeichnungen und modellierten Figuren ins Auge fällt, grenzt schon an ein kleines, farbenprächtiges Wunder.

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln