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Die Fischtreppe

Autor
Norbury, Katharine

Die Fischtreppe

Untertitel
Eine Reise flussaufwärts. Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier
Beschreibung

Gewandert ist die Schriftstellerin Katherine Norbury nach eigener Aussage schon immer gerne, und so beschließt sie nach einer Reihe von Schicksalsschlägen, einem Flusslauf von der Mündung bis zur Quelle zu folgen. Parallel dazu beginnt sie, die direkt nach ihrer Geburt von der Mutter in einem Kloster zurückgelassen und zur Adoption freigegeben wurde, Nachforschungen über ihre Herkunft anzustellen und ihre leibliche Mutter ausfindig zu machen. Katherine Norbury erzählt auf beeindruckende Weise von beiden Wegen, die sich verschränken und sie durch Höhen und Tiefen zu ihrem Ursprung zurückführen.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Matthes & Seitz Verlag, 2017
Seiten
288
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-95757-452-7
Preis
22,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Katharine Norbury, in Liverpool geboren, arbeitete lange als Produktionsassistentin fürs Fernsehen, bevor sie sich im Zuge einer schweren Krankheit eigenen Schreibprojekten zuwandte. Dabei entstand ihr 2015 veröffentlichter Debütroman The Fish Ladder, für den sie gleich mehrere Auszeichnungen und Nominierungen in Großbritannien erhielt.

Zum Buch:

In den ersten Lebensjahren wurde Katherine Norbury liebevoll in einem Kloster von Nonnen aufgezogen. Ihre Mutter war zur Niederkunft dort aufgetaucht und direkt danach wieder verschwunden. Später wurde Katherine von einem Ehepaar, das sich ein weiteres Kind wünschte, adoptiert. Dass sie nicht das leibliche Kind ihrer Eltern ist, zu denen sie ein inniges Verhältnis hat und die für sie stets ihre wirklichen Eltern waren, wurde von diesen nur einmal erwähnt und dann nie wieder thematisiert. Norbury scheibt, sie habe die Frau, die sie zur Welt gebracht hat, nie vermisst. Aber als sie längst erwachsen und verheiratet ist und selbst eine Tochter hat, entsteht nach einer Reihe von Schicksalsschlägen in ihr der Wunsch zu erfahren, woher sie stammt und warum sie weggegeben wurde.

Sie beginnt, Nachforschungen anzustellen. Ihre Suche dauert eine Reihe von Jahren, unterbrochen vom „normalen“ Gang des Lebens. Als sie schließlich vermeintlich am Ziel anlangt, ist vieles ganz anders, als sie es sich früher gedacht hatte. Ihr Weg zum Ursprung ihres Lebens verschränkt sich mit einem anderen, von ihr schon lange gehegten, Wunsch: Da sie immer schon gerne durch die einsamen Landschaften Nordenglands gewandert ist, beschließt sie, einem Fluss vom Meer bis zur Quelle zu folgen.

„Nature Writing“, Bücher, die sich auf literarische Weise mit Tieren, Pflanzen, Landschaften und dem Verhältnis des Menschen zu und in der Natur beschäftigen, ist in den letzten Jahren auch hierzulande immer populärer geworden. Viele dieser Bücher üben eine ruhige, soghafte Faszination aus. Obwohl der Autor im Text stets präsent ist, ist er nur indirekt Gegenstand des Erzählten. Auch in Die Fischtreppe korrespondieren Innen und Außen wechselseitig, aber im Gegensatz zu vielen – zumeist von Männern verfassten – Büchern spart Katherine Norbury das Persönliche nicht aus.

Sie erzählt auf beeindruckende Weise von den Landschaften, die sie durchwandert. Nicht gierig nach dem einmaligen Kick des Außergewöhnlichen, der nach steter Steigerung verlangt, sondern langsam, mit offenen Sinnen. Berührbar für alles, was da kommt. Für Unsicherheit, Erschöpfung, Freude und Schönheit. Für Licht, Geräusche, Sonne. Kälte, Schwingungen und Stimmungen. Aber obwohl es sie in die „wilde“ Natur zieht und zu einsamen Wanderungen drängt und trotz ihres Muts, mit mangelhaftem Kartenmaterial durch neblige Wasserlandschaften zu gehen, hat sie auch Ängste. Vor verschmutztem Wasser, davor, im Nebel im Moor vom Weg abzukommen oder auch vor einem Mann, der ihr an einem einsamen Strand begegnet. Diese Berührbarkeit und Beharrlichkeit sind es auch, die sie, nach einer Reihe von Schicksalsschlägen dazu bringen, ihrer eigenen Herkunft nachzugehen. Die Fischtreppe erzählt von den beiden Wegen, auf denen sie durch Höhen und Tiefen zum Ursprung findet.

Ruth Roebke, Bochum