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Du wusstest es doch

Autor
Mendels, Josepha

Du wusstest es doch

Untertitel
Roman. Aus dem Niederländischen von Marlene Müller-Haas
Beschreibung

Frans Winter, Dichter, Ehemann und Vater zweier Kinder, flieht nach der Besetzung der Niederlande über Südfrankreich und Spanien, wo er zunächst inhaftiert wird, weiter nach London. Damit zeichnet die Autorin die Route ihrer eigenen Flucht 1942/43 nach.

Im Hydepark lernt Frans, der inzwischen für das niederländische Marinehauptquartier in London tätig ist, die eigenwillige Henrietje Bas kennen, Sekretärin und Malerin, die wie er vor den Nazis geflohen ist.

Es entsteht eine intensive Liebe auf Zeit, geprägt von Ehrlichkeit, Großzügigkeit und Humor. Der zauberhafte, aber niemals kitschige Ton der Dialoge lässt den Leser an einer ganz eigenen Weise teilhaben, über die Welt zu sprechen und sich einander zu öffnen.

Josepha Mendels Roman macht viele Motive jüdischer Schicksale erfahrbar, aber keiner trifft wie er diesen liebevollen, leichten und zugleich ernsthaften Ton.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Wagenbach Verlag, 2018
Seiten
192
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-8031-3298-7
Preis
20,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Josepha Mendels (1902–1995) wuchs in einer jüdisch-orthodoxen Familie in den Niederlanden auf. Sie wanderte zunächst nach Paris aus, schrieb dort journalistische Texte und ihren ersten Roman. Danach emigrierte sie nach London, wo sie bei einem Nachrichtendienst angestellt wurde. 1945 kehrte sie nach Paris, erst drei Jahre vor ihrem Tod in die Niederlande zurück. In Paris arbeitete sie in der Pressestelle der niederländischen Botschaft und wurde im Alter von 46 alleinerziehende Mutter eines Sohnes. 1970 erschien ihr letzter Roman, ihr Debüt als Schauspielerin feierte sie mit 72 Jahren. Mendels erhielt für ihre Werke viele Preise und wurde in den Niederlanden schon in den achtziger Jahren besonders in feministischen Kreisen gefeiert. Mit »Du wusstest es doch« erscheint sie erstmals auf Deutsch.

Zum Buch:

„ Du wusstest es doch, Rädertier, dass es nicht länger dauern würde als bis zum Frieden“. Mit ihrem jetzt erstmals in Deutsche übertragenen Roman Du wusstest es doch von 1948 ist der in den Niederlanden geborenen Autorin Josepha Mendels etwas Besonderes gelungen. Sie verbindet die wunderbare Leichtigkeit einer Liebesgeschichte zwischen zwei nach London geflohenen niederländischen Juden mit der Erzählung über das Leben im Exil und über die Schrecken der deutschen Besatzung in Holland.

Frans Winter, Dichter, Ehemann und Vater zweier Kinder, flieht nach der Besetzung der Niederlande über Südfrankreich und Spanien, wo er zunächst inhaftiert wird, weiter nach London Damit zeichnet die Autorin die Route ihrer eigenen Flucht 1942/43 nach.
Im Hydepark lernt Frans, der inzwischen für das niederländische Marinehauptquartier in London tätig ist, die eigenwillige Henrietje Bas kennen, Sekretärin und Malerin, die wie er vor den Nazis geflohen ist.

Es entsteht eine intensive Liebe auf Zeit, geprägt von Ehrlichkeit, Großzügigkeit und Humor. Der zauberhafte, aber niemals kitschige Ton der Dialoge lässt den Leser an einer ganz eigenen Weise teilhaben, über die Welt zu sprechen und sich einander zu öffnen. „Rädertier“ nennt Henrietje den Frans durchaus selbstbewusst wegen der zarten Transparenz und der „untergeordneten Rolle“ der männlichen Rädertiere. Er nennt sie „Wichtel“ in Erinnerung an eine Figur im elterlichen Garten, der er als Kind seine Kümmernisse anvertraute.

„Verheiratet für die Dauer des Krieges“, sagt Henrietje, weiß sie doch stets , dass Frans nach dem Krieg wieder in sein altes Leben zurückkehren wird. „Ja, ich habe ein warmes Herz und du könntest mir manchmal weh tun“. Wie trotzdem der „Wegweiser zur Liebe“ aufgestellt werden kann, verrät der Schluss des ersten Teils des Romans , „Formen der Liebe“, auf anrührende Weise.

Nachdenklich stimmt die Gleichzeitigkeit des Glücks, das Mendel die Liebenden im Exil erleben lässt, und des Leids, das ihre Familien im besetzten Holland erfahren. Die Verdrängung , die dafür nötig ist, teilt sich dem Leser mit, ohne dass die Figuren dafür verurteilt würden.

Im zweiten Teil, „Nebenan wird die Welt brennen“, setzt die Autorin den Akzent auf die Zeitgeschichte. Die Befreiung Hollands steht bevor. Henrietje und Frans, die sich als „jüdische Heiden“ verstehen, sprechen über ihr Verhältnis zum Jüdisch-Sein in Holland und über das Entstehen jüdischer Identität durch die Verfolgung. In einem eigenen Kapitel wird das Leben von Henrietjes Schwester Miriam und ihrer großen orthodoxen Familie erzählt , deren Mitglieder, auf die Ordnung und den Schutz der niederländischen Gesetze vertrauend, sich nicht zur Emigration entschließen konnten und schließlich deportiert werden.

Nach der Befreiung der Niederlande wird Frans von seinem Londoner Vorgesetzten vor dem erstarkten Antisemitismus in den Niederlanden gewarnt und begreift fassungslos seine Rolle als Ausgestoßener. Ein „Klappsinnesorgan“ habe er dadurch entwickelt, meint er, das ihn argwöhnisch auf alle Anzeichen von Antisemitismus reagieren lasse.

Die Rückkehr nach Holland bringt die Trennung von Henrietje: Verlust, tapfer getragener Schmerz, ein neues Leben und die Aussicht auf Vergessen.

Josepha Mendels Roman macht viele Motive jüdischer Schicksale erfahrbar, aber keiner trifft wie er diesen liebevollen, leichten und zugleich ernsthaften Ton.

Désirée Edschmid, Frankfurt a.M.