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Desorientale

Autor
Djavadi, Négar

Desorientale

Untertitel
Roman. Aus dem Französischen von Michaela Meßner
Beschreibung

Kimiâ ist auf dem besten Weg, schwanger zu werden. Während sie in einem Pariser Krankenhaus auf die Erfüllung ihres Kinderwunsches wartet, kommen die Erinnerungen an die eigene Kindheit, an ihre Heimat, an die Flucht aus dem Iran, an den Vater zurück. Mit zuweilen trotzigem Humor, mit malerischen Szenen aus 100 Jahren Familiengeschichte, mit der ernüchternden Direktheit einer Unangepassten ist dieser Roman nur einem treu: der nie versiegenden Kunst zu erzählen.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Verlag C.H. Beck, 2017
Seiten
400
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-406-71453-5
Preis
22,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Négar Djavadi, 1969 in Iran geboren, stammt aus einer Familie von Oppositionellen und floh im Alter von elf Jahren zu Pferd über Kurdistan mit ihrer Mutter und ihrer Schwestern vor den Folgen der iranischen Revolution in den Westen. Sie ist Drehbuchautorin, Regisseurin und Schriftstellerin und lebt und arbeitet in Paris. „Desorientale“ ist ihr erster Roman, wurde in Frankreich zum Bestseller und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Sie erhielt dafür u. a. den Prix du Style 2016 und 2017 den Prix Première .

Zum Buch:

Kimiâ ist auf dem besten Weg, schwanger zu werden. Während sie in einem Pariser Krankenhaus auf die Erfüllung ihres Kinderwunsches wartet, kommen die Erinnerungen an die eigene Kindheit, an ihre Heimat, an die Flucht aus dem Iran, an den Vater zurück. Mit zuweilen trotzigem Humor, mit malerischen Szenen aus 100 Jahren Familiengeschichte, mit der ernüchternden Direktheit einer Unangepassten ist dieser Roman nur einem treu: der nie versiegenden Kunst zu erzählen.

Als die Familie aus dem Iran flieht, mitten im Winter, auf Pferden, über Umwege nach Paris, ist Kimiâ noch ein Kind, die jüngste der drei Töchter des Darius Sadr, der schon oft die Flucht ergriffen hat: die Flucht vor der Allmacht seines Vaters, der ihn zum Studieren nach Ägypten schickte, die Flucht vor der Mutter, die ihn verheiraten wollte. Diese Mal wird die Flucht aus seiner Heimat ihm, seiner Frau Sara, die seine politischen Ansichten teilt, und den drei Kindern das Leben retten, aber nicht auf ewig. Denn die Feinde der politischen Oppositionellen finden Mittel und Wege, die man sich nicht auszudenken wagt. Doch diese Geschichte kann Kimiâ erst sehr spät erzählen. Erst dann, wenn sie ihre sechs Onkel hat zu Wort kommen lassen, erst dann, wenn sie von der blonden Bassistin, von ihrer eigenen Liebe zu Frauen erzählt hat, die sie auch in der neuen Heimat zu einer Außenseiterin macht.

Négar Djavadi, Drehbuchautorin, Regisseurin und Schriftstellerin, 1969 in Iran geboren, hat in ihrem Debütroman Teile ihrer Familiengeschichte verarbeitet und mit diesem Parforceritt durch ein ganzes Jahrhundert iranischer Geschichte in Frankreich zahlreiche Preise gewonnen. Es ist die ganz eigene Komposition aus dem ernüchterten Rückblick der Tochter eines Oppositionellen, aus schmerzlicher Verbundenheit mit der einstigen Heimat und aus bildmächtig erzählten Szenen aus vier Generationen, die diesen Roman so ungeheuer authentisch und reich macht. Dazu kommen die wie Anmerkungen eingefügten historischen Fakten der weltpolitischen Einmischungen in Politik und Geschichte Irans; sie öffnen die Augen für das wahrhaft ganze Schicksal dieses Landes und der dort geborenen Menschen.

Susanne Rikl, München