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Autor
Macfarlane, Robert

Alte Wege

Untertitel
Aus dem Englischen von Andreas Jandl und Frank Sievers
Beschreibung

Wer sich bewegt, ob Mensch oder Tier, hinterlässt Spuren auf diesem Planeten – flüchtige oder dauerhafte. Weitere Menschen und Tiere folgen den Spuren, die andere vor ihnen gebahnt haben, und so zieht sich ein engmaschiges Netz von Pfaden und Wegen über die Erde. Manche frisch, die meisten jedoch uralt, manche für die Ewigkeit in Stein gehauen, andere, wie die Seewege, abseits der Ufer nur in den Sternen zu lesen.

Robert Macfarlane ist ein unermüdlicher Spurensucher; er folgt den „alten Wegen“ und forscht nach ihren Geschichten. Seine Beobachtungen von Landschaften, Pflanzen, Tieren, Wolken, seine Erzählungen von Menschen und Geschichten sind ein außerordentliches Lesevergnügen.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Matthes & Seitz Verlag, 2016
Format
Gebunden
Seiten
346 Seiten
ISBN/EAN
978-3-95757-243-1
Preis
32,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Robert Macfarlane, geboren 1976 in Nottinghamshire, studierte Literaturwissenschaft in Cambridge, und begann schon als Kind mit dem Bergsteigen. Sein erstes Buch Mountains of the Mind (2003) erhielt zahlreiche Preise, darunter den Somerset Maugham Award. Nach einer wissenschaftlichen Arbeit über Plagiate im 19. Jahrhundert veröffentlichte er 2007 The Wild Places. Es wurde von Kritik und Publikum gefeiert und zur Grundlage einer bbc-Dokumentation. 2012 erschien die Fortsetzung Old Ways. 2011 wurde Macfarlane, der auch als Essayist und Kritiker für den Guardian tätig ist, zum Mitglied der Royal Society of Literature ernannt. Im März 2015 erschien Landmarks; Robert Macfarlane untersucht darin die Verbindung von Sprache und Natur.

Zum Buch:

In seinem 2015 auf Deutsch erschienenen Buch Karte der Wildnis erkundet Robert Macfarlane auf der Suche nach den letzten Flecken Erde, die den Namen „Wildnis“ verdienen, ganz Großbritannien. Für sein neues Buch ist er von den Downs im Süden Englands bis zu den äußeren Hebriden, durch Palästina, durch die spanische Meseta und durch Tibet gewandert. Zu Lande und zu Wasser, immer auf der Suche nach „alten Wegen“, die mehr für ihn sind als eine Möglichkeit, von A nach B zu kommen. Denn wer sich bewegt, ob Mensch oder Tier, hinterlässt Spuren auf diesem Planeten – flüchtige oder dauerhafte. Menschen und Tiere folgen den Spuren, die andere vor ihnen gebahnt haben, und so zieht sich ein engmaschiges Netz von Pfaden und Wegen über die Erde. Manche frisch, die meisten jedoch uralt, manche für die Ewigkeit in Stein gehauen, andere, wie die Seewege, abseits der Ufer nur in den Sternen zu finden.

Alte Wege ist selbst wie eine lange Wanderung, in deren Rhythmus man nach und nach eintaucht. Der Text gliedert sich in kurze und längere Etappen, macht Abstecher und gerät auf Nebenstrecken – ohne sich zu verlieren. Macfarlane vertraut sich auf seiner Reise den unterschiedlichsten Führern an: alten Chroniken, Mythen, Karten und Menschen, die wie er „chronische Wanderer“ sind. Sein Buch ist voll von Beobachtungen und Begebenheiten, Erinnerungen an Begegnungen, an Erfahrenes und Gelesenes. Ob es sich um die unscheinbare und doch so reichhaltige Flora auf kargen Hochebenen handelt, um ein beinahe archaisches Ritual wie dem „Keulen“ tausender Seevögel, um an deren Küken zu kommen, um die allgegenwärtige Politik auf den wenigen unversperrten Strecken in Palästina oder um seltsame Orte, an denen er Dinge an der Schwelle zum Übersinnlichen erlebt – all diese Szenen leben von einer wachen, vorurteilsfreien Beobachtung und einer ungeheuer reichen, sinnlichen Sprache, die den Leser schnell in ihren Bann zieht. Ein wundervolles Buch und dazu noch – wie immer bei den Titeln aus der Reihe „Naturkunden“ im Matthes & Seitz Verlag – mit schönem Leineneinband und Lesebändchen.

Ruth Roebke, Bochum