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Autor
Harari, Lucas

Der Magnet

Untertitel
Graphic Novel. Aus dem Französischen von Christoph Schuler
Beschreibung

Etwa in der Mitte dieses Buches ist eine schwarze Seite. Es ist ein großes Buch, und so bedeckt das Schwarz eine große Fläche. Gedruckt ist es auf einem offenen, ein wenig rauen Papier. Die schwarze Fläche ist keine Zwischenseite, sie ist eher ein Durchgang zu einem Geheimnis, das, so viel sei verraten, am Ende des Buches noch nicht ganz gelüftet ist. Die Lektüre der Graphic Novel Der Magnet von Lucas Harari wird durch ihr Format, ihr Papier und ihre Gestaltung auch zu einem sinnlichen Erlebnis. Ohne Raum an den Rändern, ohne Raum zwischen den Einzelbildern (Panels) zieht das Buch einen hinein in seine spannende Geschichte.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Edition Moderne, 2018
Format
Gebunden
Seiten
144 Seiten
ISBN/EAN
978-3-03731-182-0
Preis
32,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Lucas Harari, geboren 1990 in Paris, wo er heute noch lebt. Ein Architekturstudium bricht er schnell ab, um an Fachhochschule Paris Kunstdruck zu studieren, wo sein Augenmerk den alten Drucktechniken gilt. “Der Magnet” ist seine erste Graphic Novel.

Zum Buch:

Etwa in der Mitte dieses Buches ist eine schwarze Seite. Es ist ein großes Buch, und so bedeckt das Schwarz eine große Fläche. Gedruckt ist es auf einem offenen, ein wenig rauen Papier. Die schwarze Fläche ist keine Zwischenseite, sie ist eher ein Durchgang zu einem Geheimnis, das, so viel sei verraten, am Ende des Buches noch nicht ganz gelüftet ist. Die Lektüre der Graphic Novel Der Magnet von Lucas Harari wird durch ihr Format, ihr Papier und ihre Gestaltung auch zu einem sinnlichen Erlebnis. Ohne Raum an den Rändern, ohne Raum zwischen den Einzelbildern (Panels) zieht das Buch einen hinein in seine spannende Geschichte.

Im Zentrum dieser Geschichte steht die Therme von Vals. Der Bau des Schweizer Architekten Peter Zumthor ist sofort nach seiner Fertigstellung zur Ikone moderner Architektur geworden. In Der Magnet wird dieser Ort noch zusätzlich aufgeladen durch ein Geheimnis, das den Bau mit Kräften verbindet, die irgendwo in den umgebenden Bergen ruhen sollen. Das mag man mehr oder weniger plausibel finden, Harari entwickelt daraus jedenfalls einen spannenden Thriller. Auf der Erzählebene tut er das mit einigen wenigen Handlungssträngen. Im Mittelpunkt steht dabei Pierre, ein Pariser Architekturstudent, der seine Abschlussarbeit über die Therme schreiben möchte und besessen ist von der Idee, dass dieser ein Geheimnis innewohnt. Er fährt selbst nach Vals. Auf der Zugfahrt gelangt ein merkwürdiger kleiner Stein in seinen Besitz, der genauso wichtig wird wie das Skizzenbuch des getriebenen Studenten. Dazu kommen noch ein undurchsichtiger Thermenforscher, ein sehr alter Einsiedler, der in einer Berghütte haust, und, fast selbstverständlich, eine junge Linguistin, die im Kurhotel jobbt.

Lucas Harari hat selbst ein Architekturstudium begonnen, sattelte aber rasch um, um in Paris Kunstdruck zu studieren. Es ist die erste Graphic Novel des 28-jährigen Franzosen, die beiden ersten Auflagen waren nach wenigen Wochen vergriffen. Die intensive Beschäftigung mit dem Kunstdruck merkt man dem Buch an, nicht nur in seiner großzügigen Nutzung der ganzen Seite. Ein Holzschnitt spielt in der Handlung eine große Rolle, und auch ein Traum des Helden ist in dieser ästhetischen Form dargestellt.

Beeindruckend ist, wie es Harari gelingt, aus der eher simplen Kolportage eine fesselnde Geschichte zu inszenieren. Wie ein Architekt dreht er seine Orte in verschiedene Perspektiven. Das funktioniert umso besser, weil er es versteht, die ästhetischen Qualitäten der Therme und der Berge auszunutzen, die so selbst zu entscheidenden Handlungsträgern werden. Man will wissen, wie es weitergeht – und man will eigentlich auch sofort nach Vals fahren und alles mit eigenen Augen sehen.

Jakob Hoffmann, Frankfurt am Main