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Autor
Capus, Alex

Königskinder

Untertitel
Roman.
Beschreibung

Als Max und Tina in ihrem Auto eingeschneit auf einem Alpenpass ausharren müssen, erzählt Max eine Geschichte, die genau dort in den Bergen, zur Zeit der Französischen Revolution, ihren Anfang nimmt.
Meisterhaft verwebt Alex Capus das Abenteuer des armen Kuhhirten und der reichen Bauerntochter mit Max’ und Tinas Nacht in den Bergen. Ein hinreißendes Spiel zwischen den Jahrhunderten. Alex Capus’ schönste Liebesgeschichte seit Leon und Louise.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Hanser Verlag, 2018
Format
Gebunden
Seiten
176 Seiten
ISBN/EAN
978-3-446-26009-2
Preis
21,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Alex Capus wurde in der Normandie als Sohn eines Franzosen und einer Schweizerin geboren. Er verbrachte die ersten fünf Lebensjahre in Paris bei seinem Großvater, der Polizeichemiker am Quai des Orfèvres war. 1966 zog er mit seiner Mutter nach Olten in der Schweiz. Er studierte an der Universität Basel Geschichte, Philosophie und Ethnologie und arbeitete daneben (von ca. 1986 bis 1995) bei diversen Schweizer Tageszeitungen als Journalist. Vier Jahre hindurch war er als Inlandredaktor bei der Schweizerischen Depeschenagentur in Bern tätig. Alex Capus lebt heute als freier Schriftsteller in Olten. Zwischen November 2009 und April 2012 war er Präsident der Sozialdemokratischen Partei Oltens.

Zum Buch:

Max und Tina stecken fest. Und zwar im Schnee. Das ist nur konsequent, haben sie doch ganz bewusst das Schild missachtet, das auf die Sperrung der Passstraße über Nacht wegen „intensiven Schneefalls“ hingewiesen hat. Aber eine echte Gefahr besteht nicht, wissen sie doch, dass am nächsten Morgen die Schneefräse kommen und sie aus der Schneewehe befreien wird. Gegessen haben sie auch, so dass sie nicht hungern müssen, und der viele Schnee, der das Auto einhüllt, sorgt dafür, dass die Temperatur erträglich bleibt. Nur die Zeit müssen sie sich irgendwie vertreiben, und das geht am besten mit Geschichten. Geschichten, die nicht wahr sein, aber stimmen müssen. Und die Geschichte, die Max jetzt seiner Tina erzählt, muss stimmen und wohl auch wahr sein, hat sie doch gerade hier, am Jaun-Pass, ihren Anfang genommen.

Natürlich handelt es sich, wie könnte es anders sein, um eine Liebesgeschichte, und zwar um eine seit langem vergangene. Ende des 18. Jahrhunderts verliebt sich der Waisenjunge Jakob, der nach dem Tod von Eltern und Geschwistern allein in einer Melkhütte lebt und die Kühe des Bauern aus dem Tal hütet, in Marie, die Tochter eben jenes Bauern, und sie verliebt sich in ihn. Der Bauer hat natürlich nicht die Absicht, seine Tochter mit einem Habenichts zu verheiraten, und verkauft ihn quasi an die französische Armee – Schweizer waren damals sehr beliebte Soldaten. Aber Liebe ist Liebe und, wenn sie echt ist, unvergänglich: Marie bleibt ihrem Jakob treu und Jakob seiner Marie, acht Jahre lang bis zum Wiedersehen. Das fällt allerdings nur kurz aus, denn Prinzessin Elisabeth, die Schwester des Königs von Frankreich, braucht für ihren Spielzeug-Bauernhof einen Schweizer Hirten, und wie es das Schicksal will, fällt die Wahl ausgerechnet auf Jakob. Doch anders als in der Ballade von den titelgebenden „Königskindern“, für die das Wasser viel zu tief war, finden die Liebenden hier wieder zusammen – just als die Schneefräse am Morgen die Straße für Max und Tina freimacht …

Wer jetzt glaubt, es mit einem Lore-Roman zu tun zu haben, kennt Alex Capus nicht. Denn der erzählt seine – wahre? – Geschichte in einer mal schnoddrigen, mal poetischen, aber immer genauen Sprache und mit so viel Witz, so vielen gut recherchierten historischen Details und auch mit soviel Frechheit, dass es eine reine Freude ist. Seine Perspektive ist die der „kleinen“ Leute, in deren Leben der Aufstieg der ersten Montgolfiere weit mehr Aufbruch repräsentiert als die französische Revolution, die aber auch – und hier ganz schweizerisch – das Selbstbewusstsein von Menschen deutlich macht, die zwar vom Schicksal gebeutelt werden, aber dem König nur so lange zu dienen bereit sind, wie der Sold pünktlich eintrifft. Königskinder ist ein Buch, das rundherum Spaß macht, ein Lesevergnügen reinstes Wassers, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Irmgard Hölscher, Frankfurt am Main