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Autor
Beer, Daniel

Das Totenhaus

Untertitel
Sibirisches Exil unter den Zaren. Aus dem Englischen von Bernd Rullkötter
Beschreibung

Lange bevor die Sowjets ihre todbringenden Straflager errichteten, welche sich bald schon als Schreckenssymbol eines totalitären Staates etablierten, war Sibirien bereits ein riesiges, offenes Gefängnis mit einer über 300 Jahre alten Geschichte. Der Historiker Daniel Beer hat diese Geschichte lange Jahre erforscht und dabei Unbeschreibliches zutage gebracht.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
S. Fischer Verlag, 2018
Format
Gebunden
Seiten
624 Seiten
ISBN/EAN
978-3-10-397371-6
Preis
28,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Daniel Beer, geboren 1973, lehrt Modern European History an der University of London. Für „Das Totenhaus“ hat er jahrelang in sibirischen und russischen Archiven geforscht und zahlreiche unbekannte Dokumente entdeckt. Das Buch gewann 2017 den Churchill History Prize und stand auf der Shortlist für den Wolfson History Prize sowie den Pushkin Russian Book Prize. Es war Book of the Year der Times, des Spectator, des Times Literary Supplement und bei BBC History.

Zum Buch:

„Der Mensch als Bürger geht unter dem Tyrannen stets unter, die Rückkehr zur menschlichen Würde, zur Reue und Wiedergeburt wird für ihn fast unmöglich.“

Als Fjodor M. Dostojewski zwischen 1861 und 1862 seine Aufzeichnungen aus einem Totenhaus in seiner Zeitschrift Wremja veröffentlichte, war er weder der erste noch der letzte Schriftsteller von Rang, der über die grausamen Missstände in den zaristischen Lagern berichtete.

Doch die Geschichte der Straflager beginnt bereits über hundert Jahre zuvor, nachdem 1753 der Galgen endgültig durch ein System der Zwangsarbeit ersetzt worden war, das auch wirtschaftlichen Zielen unterlag, dehnte sich der russische Staat doch unaufhaltsam aus. Zwischen 1801 und 1917 wurden somit über eine Millionen Untertanen in den Norden verbannt, eine riesige Fläche, anderthalbmal so groß wie Europa, wo im Winter nicht selten bis zu 40 Minusgrade herrschten. Unter den Häftlingen befanden sich Generationen von einfachen Dieben und Mördern aus allen Teilen Russlands und Polens, die nie einen Gerichtssaal von innen gesehen hatten und die sich mitsamt ihrer Familien in die Verbannung aufmachen mussten, manchmal in Ketten und fast immer zu Fuß und über Tausende Kilometer hinweg. So konnte es zuweilen geschehen, dass auf der qualvollen, jahrelangen Reise viele starben, und die wenigen „Glücklichen“, die ihr Ziel erreichten, verloren schließlich alle Hoffnung, denn erst nachdem sie das Lager betreten hatten, begann ihre abzubüßende Strafe.
Aber unter den Verurteilten befanden sich auch Gelehrte und Künstler, die aufbegehrt oder über die Missstände in der Bevölkerung geklagt hatten, sodass in den Lagern wie von selbst ein enormes Revolutionslabor entstand, aus dem Männer hervorgingen, die eines Tages die Macht in Russland an sich reißen sollten.

Das Totenhaus ist eine Geschichte von Ausweglosigkeit und Not, handfeste Komponenten, die einen Menschen entweder befähigen, über sich hinauszuwachsen – oder kläglich unterzugehen.

Der britische Historiker Daniel Beer hat über viele Jahre hinweg die Geschichte der Straflager erforscht und ist während seiner Recherche in den russischen Archiven auf eine beachtliche Anzahl bisher unveröffentlichter Dokumente gestoßen. Daher hat Das Totenhaus weltweites Aufsehen erregt und wurde bereits kurz nach seiner Veröffentlichung völlig zu Recht mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln